Von Christian Selzer, 30. Oktober 2019

Auch Maschinen haben Gefühle. Wer daran zweifelt, sollte sich das neue Album von ISAN anhören. Das britische Duo um Robin Saville und Antony Ryan prägt seit 20 Jahren den Sound von Electronica entscheidend mit. Im Vergleich zu anderen IDM-Genregrößen wie Autechre oder Aphex Twin punktet ihr musikalischer Ansatz jedoch nicht durch scharfkantige Avantgarde-Elektronik, sondern durch warme Texturen und organische Grooves. Das neunte Studioalbum „Lamenting Machines”, das auf Morr Music erschien, stellt den vorläufigen Höhepunkt in der symbiotischen Beziehung der beiden Musiker dar.

ISAN hauchen, wenn man so will, den Oszillatoren Leben ein. Was sie aus dem Innenleben ihrer Modularsythesizer zu Tage fördern, sind keine pumpenden Beats, sondern melancholische Melodien, die zart und intim wirken. Die Stücke auf „Lamenting Machines” strecken ihre Wurzeln oft Richtung Ambient aus und bieten Freiräume, in denen sich gegenläufige Beats, mäandernde Basslines und fragmentierte Melodieeinschübe sanft umspielen können. Schicht für Schicht wächst so ein Mikrokosmos aus Sounds, der fließt und pulsiert.

Wie detailverliebt die Produktion ist, lässt sich am besten über Kopfhörer entdecken. Mit jedem weiteren Durchgang werden neue, komplexe Zusammenhänge hinter den zugänglichen Strukturen deutlich. Selten wurde das alte Vorurteil, elektronische Musik sei kalt und seelenlos, überzeugender entkräftet als hier.

VÖ: 25. Oktober 2019 via Morr Music