J Mascis – Elastic Days
© Cara Totman

J Mascis Elastic Days

Es war eine Freude. Als J Mascis 1998 Dinosaur Jr. auflöste und fortan als J Mascis + The Fog solo weitermachte, klang das Ergebnis keinen Deut anders. Alles blieb so wunderbar beim Alten. Laute, verzerrte Popsongs, Gitarrengekniedel und dazu Js markante Stimme, die knarzig, brüchig aber doch warm klang.

Wie sollte sein erstes Solo-Abenteuer damals auch anders klingen? Schon die letzten Jahre vor dem (vorläufigen) Ende war Dinosaur Jr. ein Ein-Mann-Projekt. Nachdem sich J Mascis mit Bandmitglied Lou Barlow zerstritt, blieb er das einzig feste Bandmitglied. Beim Gitarre spielen machte ihm eh niemand etwas vor, Schlagzeug konnte er auch (er war ursprünglich ja Schlagzeuger, lehnte sogar einmal das Angebot ab, als solcher bei Nirvana einzusteigen) und das bisschen Bass ging auch noch.

Doch nach zwei Alben unter dem Namen J Mascis + The Fog raufte sich J im Jahr 2005 wieder mit seinen alten Kumpels zusammen. Mit Trommler Murph und Bassist Lou Barlow war er wieder Dinosaur Jr. und die Band wurde besser denn je.

Wie sollte er nun als Solo-Künstler weitermachen? Ganz einfach: In den Dinosaur-Jr.-Pausen veröffentliche er fortan Platten als J Mascis (ohne den Zusatz The Fog) und nahm sich dabei heraus, leisere Töne anzuschlagen. „Severals Shades of Why“ und „Tied to a Star“ waren (semi-)akustisch aufgenommene Singer-Songwriter-Alben. Schwelgerisch, warm und ruhig klingend – ganz anders als die laut krachenden Dinosaur-Jr.- oder The-Fog-Songs.

Jetzt ist Js drittes Solo-Album da. Auf „Elastic Days“ hat sich plötzlich wieder etwas geändert. Zum einen: J Mascis hat singen gelernt! Nein, keine Sorge, seine Singsprech-Stimme klingt immer noch so wunderbar knarzig. Doch J gibt sich augenscheinlich Mühe, dass sein Gesang nicht mehr wie nur beiläufig klingt.

Zum anderen: Er wendet sich neben Folk auch Blues und Americana zu. Und waren die beiden Vorgänger-Soloalben (fast) nur von Gitarre begleitet, kehrt J Mascis jetzt auch wieder an sein Schlagzeug zurück (Anspieltipps: „Picking Out The Seeds“, „Drop me“ oder „Sometimes“). So ist „Elastic Days“ Js poppigstes und, ja, vielleicht auch reifstes Werk (wollte er jemals reifen?). Und „Elastic Days“ zeigt wieder ein Stück mehr, wie begnadet J Mascis als Songwriter ist.

Aber doch: J Mascis bleibt der leicht schrullige Gitarrengott, der nicht erwachsen werden will. Auch wenn der Druck aus den Verstärkern seine Haare dieses Mal nicht so schön wehen lässt: J Mascis ist auch bei den leisen Tönen unschlagbar.

VÖ: 09. November 2018 via Sub Pop
Web Analytics