Von Connor Endt, 29. November 2019

Manchmal kann man es kaum glauben, wenn längst in der Versenkung verschwunden geglaubte Musiker plötzlich wieder da sind. Jack Peñate war in der Vergangenheit für eingängigen Indie Rock mit Pop-Melodien bekannt und setzte wie viele Kollegen aus dem Vereinigten Königreich auf eine Live-Band, gestreifte Shirts und catchy Gitarren-Melodien. Dann, irgendwann im Jahr 2009, verschwand er plötzlich von der Bildfläche. Nicht, wie sich jetzt herausstellt, um der Musik für immer den Rücken zu kehren: Der neue Silberling „After You“ kann vielmehr als seine abgeschlossene Metamorphose, als ein Neuanfang gesehen werden.

Der Opener „Prayer“ zeugt bereits von dieser Verwandlung: die Indie-Einflüsse sind endgültig passé, Peñate hat zu deutlich elektronischeren Klängen gefunden. Synthesizer bilden die Basis für seinen Gesang, der deutlich expressiver um die Ecke kommt. Mit Percussion-Beats und Call and Response-Elementen bedient sich „Prayer“ ordentlich bei Soul und Funk. Sein neues Album hat Peñate größtenteils alleine mit einem Keyboard in irgendwelchen Hotel-Zimmern aufgenommen, als Konsequenz rückt die Gitarre auf „After You“ zunehmend in den Hintergrund. „Gemini“ beispielsweise kommt beinahe komplett mit einem Solo-Piano aus, auf dessen Klänge Erinnerungsfetzen als spoken words festgehalten werden. Ganz entsagen kann der Musiker den Sechssaitern aber nicht: „Loaded Gun“ setzt auf laid-back Beats, Piano und eine Akustik-Gitarre.

„After You“ stellt eine Zäsur dar im Schaffen des (verloren geglaubten) Künstlers – und auch, wenn viele Stücke wie recht rohe Songskizzen wirken, kann das Album auf ganzer Linie überzeugen. Die Mischung aus Lofi-Electro, Ambient-Klängen und klagendem, expressiven Gesang steht Jack Peñate ausgezeichnet! Gerade die Vorab-Singles „Prayer“ und „Murder“ setzen sich hartnäckig im Gehörgang fest. Man darf gespannt sein, was als nächstes folgen wird.

VÖ: 29. November 2019 via XL Recordings