Von Oliver Schröder, 17. Juli 2020

Broken hearts for you and me: Vor zwei Jahren hofften wir an dieser Stelle, dass dem Musikästheten Jonathan Bree die selbst aufgesetzte Pop-Krone nicht wieder verrutschen möge. Nach einem Durchlauf seines mittlerweile vierten Albums kann man sich beruhigt in den Lounge-Sessel zurücklehnen, denn sie sitzt fester und berechtigter als je zuvor.

Dass der Neuseeländer irgendwann mal im Kitsch ankommen würde, war abzusehen. Seine Version ist aber nicht etwa geschmacklos, sondern eher übertrieben geschmackvoll. Die Orchesterarrangements rauschen lustvoll durch 60s-Chanson aller Couleur. Weil seine Musik am besten mit weiblichem Gesang funktioniert, hat er sich einige stilvoll säuselnde Chanteusen ins Studio geholt. Neben Princess Chelsea und Crystal Choi wechselt er sich mit Britta Philipps ab, die bereits auf ihren Alben mit Dean Wareham aparte Pop-Stücke mit hallendem Indiecharm umsetzte.

Hatte Bree schon früher ein Faible für herzensbrechende Romantik, wälzt er sich jetzt endgültig in einem Meer aus Trennungsschmerz. Als einsamer Wolf verarbeitete er seinen Verlust, indem er den perfekten Soundtrack dafür schrieb. Er croont sich dazu selbstmitleidig in eine ausgewachsene Quarterlife-Crisis: “The kids don’t want you around you’re not welcome, your friends have moved to the burbs to raise children”. Welches Thema ist schon zeitloser als die Erkenntnis, dass alle um einen herum längst erwachsen geworden sind? Nur man selbst hängt in der Disco-Dauerschleife und versucht verzweifelt seinen Schöngeist zu betäuben.

Wer also die passende Musik sucht, um im Regen alleine durch die leeren Straßen der Großstadt zu laufen, den lässt Jonathan Bree auch mit „After The Curtains Close“ nicht im Stich. Wenn schon betrübt, dann zumindest mit Stil. Gute Laune ist auch mehr was für den ordinären Pöbel.

VÖ: 17. Juli 2020 via Lil’ Chief Records