Von Connor Endt, 17. Dezember 2019

Sprachfetzen aus Schwarz-Weiß-Filmen, verzwickte Glitch-Beats, Saxophon, Gitarren, Synthesizer: die Juli Kapelle ist zurück und auch bei „Synkron?“ weiß man gar nicht so recht, wie man dieses unheimlich komplexe, rätselhafte Werk am Besten zu packen bekommt. Fangen wir ganz vorne an.

Hinter der Juli Kapelle verbirgt sich Achim „Kapellmeister“ Sauer, der seit Ende der Neunziger Musikerinnen und Musiker um sich schart, um beeindruckend unterschiedliche Tonträger aufzunehmen. Der Bandname ist insofern clever gewählt, da sich unter dem Sammelbegriff Kapelle immer wieder unterschiedliche Personen zusammenfinden können. Für das aktuelle Release arbeitete Sauer ausschließlich mit der Jazz-Saxophonistin Gaby Schenke zusammen, deren Töne sich auf „Speisung der Tonader“ ganz hervorragend mit verzerrten Gitarren-Riffs verbrüdern.

„Synkron?“ ist ein Konzept-Album, das den Bewegtbildern huldigt. Anders als bei anderen Werken der Kapelle schweigt Sauer dieses Mal und setzt auf Sprachsamples aus den unterschiedlichsten Film-Epochen. Um alle Querverweise zu entschlüsseln muss man ein echter Cineast sein, denn auf „Synkron?“ sind sie alle versammelt: Jim Jarmusch, Dorian Grey, „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ und zahlreiche andere Schwarz-Weiß-Filme. Und trotzdem reihen sich die verschiedenen Sprachfetzen perfekt ein und erzeugen mal nachdenkliche, mal bedrückend finstere Klangkulissen. „Du musst dich damit abfinden, dass Träume nicht Wirklichkeit werden“, poltert eine Stimme bei „Donnerwetter“, an anderen Stellen ist von Wahnsinn und Genie, Schusswaffen und Tod die Rede. Das Hören wird zur Puzzle-Arbeit, man versucht automatisch, alle Querverweise mitzubekommen und zu deuten.

Ironischerweise sind gerade die verschrobensten Sprachsamples mit den schönsten Melodien unterlegt. So loopen sich in „Scheusal“ die Klavier-Harmonien über den manischen Monolog von Kaiser Nero und in „Schmuckstück“ wird eine Pistole beschrieben, welche beim Abfeuern keine Konsequenzen für den Besitzer mit sich bringt. „Synkron?“ wurde exklusiv auf Kasette herausgebracht und so schließt sich der Kreis, denn auch die verwendeten Filmzitate stammen aus einer Zeit, als Filme noch auf dicke Bänderrollen gebannt wurden. Wer kein Tapedeck mehr zuhause hat kann sich das neueste Werk der Juli Kapelle per Download-Link aus dem Netz ziehen.

VÖ: 06. November 2019 via Juli Kapelle