Von Stefan Killer, 02. Oktober 2020

Stonehenge bringt’s nicht mehr. Daher hat das proggy Stoner-Quartett kurzerhand die Saiten gewechselt, den Octaver auf Anschlag gestellt und ist zu etwas Neuem fusioniert. Wie sich das auf dem gewissermaßen zweiten Debüt äußert? Zumindest klingt „Uncanny Valley“ nicht weniger versiert. Was genau so anders ist an Kaskadeur, der neuen alten Band, wird während der ersten paar Dutzend Takte nicht sofort klar. Progressive Elemente wie Dreiertakt oder Fusionriffs mit der Brechstange waren schließlich schon bei Stonehenge tonangebend.

Was aber zum neuen Charakter beiträgt, ist die nochmals ausgedehnte Stilpalette: Ob Urban-Beat- und Synthi-Intermezzo wie „apply_physics( )“ oder harmonisches Filetstück „Part of Your DNA“, den Appetit regt Kaskadeur an mit einer Mischung aus poppiger Eingängigkeit und handwerklicher Finesse. Sogar tanzbar, insofern Hampelmann beziehungsweise –frau konventionsfrei sind.

Die Musik bildet eine Art Stonehenge 2.0 ab. Wer sich die Mühe macht, genau hinzuhören, wird trotz vielleicht anfänglich gehobener Augenbraue feststellen: „Uncanny Valley“ ist mehr als progressive Spielfreude, weiter als experimentelles Geplänkel. Mit Kaskadeur haben sich die vier Musiker einen Raum geschaffen, in dem die Soul-Fraktion des Stonerrock genauso Platz findet wie fesche Indiepop-Abtrünnige.

VÖ: 25. September 2020 via Noisolution