Von Oliver Schröder, 11. Oktober 2019

Into The Groove: Dass es bei Kim Gordon auf Albumlänge noch einmal so catchy werden würde, konnte man nicht unbedingt voraussehen. Auch nicht, dass sie für „No Home Record“ zumindest musikalisch einige Schritte zurück in die Vergangenheit macht.

Das Label Sonic Youth wird ihr kreatives Schaffen wohl immer bis zu einem gewissen Grad miterklären, auch wenn sich die ehemalige Bassistin der Noise-Rock-Instanz sich schon sehr lange erfolgreich als Solokünstlerin zu emanzipieren sucht: Mode, Schauspielerei, bildende Künste – been there, done that! Da erscheint es schon überraschend, dass sie jetzt erst ein Soloalbum unter eigenem Namen veröffentlicht. Zuletzt war sie ja mit Glitterbust und vor allem Body/Head auf experimentellen Pfaden unterwegs, die sich häufig von sämtlichen Songstrukturen loslösten und sich irgendwo in den dunklen Hallen des soundästhetischen Alls verloren. Planet Gordon war überall und nirgendwo.

Jetzt ist ihre Musik wieder greifbarer denn je zu. Konventionellere Songstrukturen und eine scharfkantige Eingängigkeit machen „No Home Record“ zu einem gefährlich schweren, aber auch immer wieder in allen Farben funkelnden Album. „Sketch Artist“ bildete diesen Spannungsbogen als Vorabsong bereits deutlich ab und auch die anderen acht Stücke stehen dem in nichts nach. Ob Industrial Punk („Hungry Baby“), hämmernder Noiserock (“Air BnB”) oder basslastiger Grooverock („Murdered Out“): So unmittelbar in den Magen ging es seit den frühen Sonic Youth nicht mehr. Überall ragen gefährlich spitze Stromkabel aus den Songkonstrukten. Auf manchen ist zwar kein Saft, aber Schmerzen verursachen sie alle.

VÖ: 11. Oktober 2019 via Matador Records