Von Tim Brügmann, 20. November 2020

Ein neuer Stern am Gizzverse. Um genau zu sein, ist es bereits der 16te Schweif, den die Australier von King Gizzard & the Lizard Wizard am Firmament hinterlassen. „K.G.“ heißt der neue Flugkörper mit dem der einstige Geheimtipp aus Down-Under am 20. November sein mittlerweile zehnjähriges Bandjubiläum feiert.

Viel wurde schon kolportiert über die schier endlose Diskographie der Psychlords aus Melbourne Victoria und auch wenn man angesichts der schieren Masse ihres Outputs in Ohnmacht fallen möchte, werden gerade die klanglichen Qualitäten noch zu selten gelobt. King Gizzard & the Lizard Wizard verfolgen zwar stets einen roten sonischen Pfaden, der führt sie jedoch einmal quer durch die Elemente des psychedelischen Rock. Dort wo die eine oder andere Stoner-Wüste lauert, findet man sich flugs in schwindelerregenden Psych-Höhen wieder oder wird andernorts ins Unterholz von Kraut-Rock oder die wogenden Meere des Metal entführt. So nicht anders auch auf „K.G.“, das, wie der Name schon verspricht, viele Einzelteile des Gizzverse miteinander vermengt und sich somit hervorragend für ein Jubiläum eignet.

„K.G.“ ist gleichwohl eine Rückkehr zum Mikrotonalen auf dem der Lizard Wizard allerlei Zutaten in den Schmelztopf gießt. Wieder einmal treffen wir auf orientalisch anmutende Rock-Skalen, arabisch bis osmanische Klänge öffnen einem nicht nur die Augen, sie fordern einen bisweilen auch dazu auf, auch gleich das dritte zu öffnen. Die Hüfte geht dabei öfter mit, als man angesichts der Wizard-typischen Weirdness glauben, doch oft ist es eben die Balance aus Dissonanz und Pop, der die Band stets in aller Munde bleiben lässt. 16 Alben? Von mancher Band wünscht man sich nicht einmal zwei…

Entstanden ist „K.G.“ wie so viele Werke dieser Zeit, in größter kreativer Unruhe, umhüllt vom allgegenwärtigen Stillstand und lähmender Zähigkeit. Front-Wizard Stu Mackenzie nutzte die Zeit und schraubte schon mal den Rahmen im eigenen Schlafzimmer vor, ehe der Rest der Band in bester DIY-Manier an der Nummer 16 Hand anlegte. Kreative Kontrolle war schon immer der größte Zaubertrick der sechs, sieben Echsenmänner und der Weggang von Schlagzeuger Eric Moore erscheint beim ersten Zuhören ebenfalls verkraftbar, bleibt er der Band auch weiterhin freundschaftlich erhalten.

„K.G.“ ist nicht nur ein Jubiläum oder eine Zäsur, nein, es läutet auch gleich eine neue Zeitrechnung im Gizzverse ein. Vollmundig verspricht die Band nach überstandener Pandemie nämlich nichts anderes als (noch!) produktiver sein zu wollen, frei nach Jim Morrison: „I am King Gizzard. I can do anything!“

VÖ: 20. November 2020 via Caroline