Von Connor Endt, 21. Februar 2020

Vor drei Jahren veröffentlichte Archy Marshall, der Mann mit den tausend Pseudonymen, sein Album „The OOZ“, das wie eine Bombe einschlug. Wer den jungen Briten schon Mal live erleben durfte, kann bestätigen, dass das „King“ in Krule absolut gerechtfertigt ist: Marshall und seine Bandkollegen sind auf der Bühne eine absolute Naturgewalt. Entsprechend hoch sind da die Erwartungen an „Man Alive!“, das schon vom Titel her so klingt, als wenn Krule schreit: Ich bin zurück, ich lebe noch!

Auf seinem dritten Album festigt Marshall den bisherigen Bandsound und fügt gleichzeitig viele neue Facetten hinzu. Songs wie „Cellular“ und „Supermarché“ sind klassische Krule-Songs: Jazz-Chords segeln durch den Raum, die Snare knallt trocken, im Hintergrund hört man die typischen „Uuuuaaarghs!“. Auch das Saxophon, das bei „The Ooz“ so wunderbare Solo-Einlagen geschmettert hat, ist wieder von der Partie. Für „Stoned Again“ schlüpft Krule wieder in die Rolle seines alter Ego „Edgar The Beatmaker“ und wechselt mühelos von gerappten Strophen zu Zeilen, die er mit Nachdruck ins Mikro brüllt, während die Band in einem Sumpf aus Disharmonien versinkt.

Wie beim Vorgänger gelingen die Übergänge zwischen den Stücken absolut fließend, bindendes Glied sind dieses Mal die kryptischen Nachrichten eines Anrufbeantworters oder manchmal auch nur das Tuten der besetzten Leitung. Songs wie „The Dream“ oder „Slinky“ wirken zunächst wie rohe Songskizzen und entfalten erst beim zweiten oder dritten Hördurchgang ihre volle Wirkung.

An anderen Stellen, wie etwa dem träumerischen „Theme For The Cross“ nimmt sich Krule fast komplett zurück und das Saxophon erschafft in den ersten Minuten seinen ganz eigenen, schief-beklemmenden Mikrokosmos. Überhaupt besitzt „Man Alive!“ an vielen Stellen eher Hörspiel-Charakter, wenn Krule die Straßengeräusche und andere Field Recordings zu einem hypnotisierenden Puzzle zusammensetzt. Jazz, Indie, Trip-Hop oder Rap: King Krule schert sich immer noch nicht um Genre-Zuschreibungen und mixt wild die Stilrichtungen, Sounds und Einflüsse. Zugegeben, wirklich zugänglich ist das neue Album nicht. Aber darauf muss man sich bei King Krule eben einlassen. Easy easy!

08.03.2020 Berlin – Columbiahalle

VÖ: 21. Februar 2020 via XL Recordings