Von Tim Brügmann, 02. April 2020

“Just another average Garage-Punk Band you’re gonna love!”, schreibt die in Regensburg headquatermäßig ansässige Band Kolossus Däächt über sich selbst. Dabei treffen sie den Nagel exakt auf den Kopf, den das Quartett klingt so wie Bands unserer besten Kumpels gerne öfter klingen dürften. Ja sogar klingen sollten!

Mit „Lipstick Love“ vollendet der schrammelige Vierer-Bob eine mehrjährige Odyssee und bannt diese nun Surfsound-gewaltig auf Platte. Die Melange aus 60s und 70s Garage-Rock geht dabei runter wie Öl, dauert eine knappe halbe Stunde und erinnert an die Frühwerke von Bands wie King Gizzard oder den Oh Sees. Dass Kolossus Däät aus Deutschland stammen, mag man vielleicht gerade mal daran erkennen, dass der ein oder andere Song durchaus als obskure Blackmail-B-Seite durchgehen könnte. Und das ist wahrlich als Kompliment zu verstehen! Dass die Songs Zeit zur Reifung hatten, merkt man.

14 Tracks ist das biergetränkte Brett stark und überzeugt durch einen nach vorne preschenden Frontmann zwischen Wahnvorstellung und Sean Lennon, während der Bass munter durch die Tracks tuckert, die Hüfte in Schwung setzt und das Schlagzeug einem den Rest gibt. Provinzlerisch oder gar urbayerisch klingt hier nichts. Ganz im Gegenteil, die Beachparty ist perfekt, auch wenn das Rad des Surfrocks nicht neu erfunden wird. Ein Großteil der Gitarrenriffs hält die Synapsen dennoch auf Spannung, fast kurz vorm Durchkokeln.

„Lipstick Love” erscheint in schwierigen Zeiten an einem Samstag als limitierte Vinyl über Micro Wave Music und macht dabei nicht nur im Gehörgang eine gute Figur. Doch auch auf textlicher Ebene kommt das Gehörte alles andere als flach daher. Neben oberflächlichem Narzissmus, moderner Körperkultur, dem unersättlichen Drang zur Selbstzufriedenheit geht es auch um die Selbstdarstellung in unserer modernen Gesellschaft. Mit „Lipstick Love“ laden Clääment Hoffer, Däänis Scheffer, Benedäächt Bartl und Stääfan Heyn ein zu einem andäächtigen Bad im Jacuzzi selbstbewusster Weirdness. Support your locals, Jungs und Mädels!

25.04.2020 Kökn – c/o Pop
12.06.2020 Kehlheim – JUKUU Festival
04.07.2020 Pegnitz – Waldstock Festival

VÖ: 28. März 2020 via Micro Wave Music