Von Stefan Killer, 26. Mai 2020

Kooba Tercu machen Krach. Schönen Krach. Hässlichen Krach. Und am liebsten mischt die griechisch-englische Band ihren Krach mit tanzbaren Grooves und Rhythmen. Wie sich das anhört? Naja, wie „Proto Tekno“. Da aufgrund des stiefmütterlichen Umgangs mit Text auf dem Album inhaltlich nicht viel passiert, lässt sich „Proto Tekno“ am besten szenisch beschreiben: Man stelle sich Kurt Cobain vor, wie er eine Tröte mit einem Fuzzpedal penetriert und gleichzeitig wütet, als probe er für eine Fortsetzung von „MTV Live and Loud“. Zwei, drei Takte später setzen die Synthis ein, der Rhythmus wechselt, und die Performance entwickelt sich zu einem Wave-Ausflug auf MDMA.

Trotz der gefährlichen Klangexperimente will uns Kooba Tercu mit „Proto Tekno“ eine klare Einsicht um die Ohren hauen: „Es gibt ein gewisses Wechselspiel zwischen alt und neu, Stadt und Land, menschlicher Zivilisation und Natur, schlecht erhaltener, unterentwickelter oder disruptiver Technologie und Überwachung, Dominanz und Symbiose. Wir haben den Raum zwischen solchen Dipolen erforscht und versucht, ein Gefühl des Optimismus und der Militanz zu schaffen, um dieser schönen neuen Welt gegenüberzutreten.“

Vor allen Tracks wie „Cemento Mori“ und „Fair Game“ helfen, die Gegensätze, aber auch die Harmonien dieses Versuchs zu vermitteln. Die insgesamt acht – teils instrumentalen, teils vokal gestützten – Songs dürften nicht nur Headbanger, sondern auch Tanzbären an ihre rezeptiven Grenzen bringen. „Proto Tekno“ flackert wie ein düsteres Irrlicht in der Spaßgesellschaft.

VÖ: 22. Mai 2020 via Rocket Recordings