Von Oliver Schröder, 25. Oktober 2019

Mystisch minimalistisch wirft die Düsseldorfer Elektro-Institution Kreidler bizarre Schatten an die Schallwand. Ihre Version von anspruchsvoller Popmusik wirkt auf „Flood“ rätselhafter, aber auch einnehmender denn je. Ende letzten Jahres in der Rheinmetropole plus Berlin aufgenommen, ist „Flood“ wieder ein Album voller Leerstellen, die erst im Laufe mehrerer Durchgänge vom Hörer gefüllt werden können. Wenn überhaupt, denn als wäre Kraut, Dub und Clubmusik nicht ohnehin schon enigmatisch genug, übernehmen Thomas Klein, Alexander Paulick, Andreas Reihse und Detlef Weinrich dazu auch Elemente aus der griechischen Mythologie, der politischen Kunstform und der Erdgeschichte.

„Nesindano“ transportiert beispielsweise ein gutes Stück vom guten alten Bristol-Elektrozismus der frühen Neunziger Jahre. „Alles ist unseres, meins und deins“ singt die namibische Künstlerin Nesindano Namises (aka Khoes) gegen die Gewalt unserer Zeit an und übernimmt damit eine ähnliche Rolle, wie sie Shara Nelson bei Massive Attack einnahm. Mit dem Unterschied, dass sie etwas zu sagen hat, was wir nicht verstehen. Insofern bleibt gar keine andere Wahl als sich zu den Beats zu bewegen. Das fünfteilige Ensemble „Flood“ droht stattdessen unheilvoll in Form verschiedener Aggregatszustände. Hier geht es um nicht weniger als die Ewigkeit. Zurückhaltend zeitlos und doch irgendwie größenwahnsinnig.

07.11.2019 Berlin – Arkaoda
09.11.2019 Hamburg – Kampnagel
19.11.2019 Stuttgart – Merlin
20.11.2019 München – Rote Sonne
21.11.2019 (CH) Winterthur – Kraftfeld
22.11.2019 (CH) Luzern – Neubad
10.03.2020 Karlsruhe – Jubez
11.03.2020 Freiburg – Cafe Atlantik

VÖ: 25. Oktober 2019 via Bureau B