Von Christoph Walter, 04. Oktober 2019

„Spectre“ ist bereits das vierte Album von Amber Webber und Josh Wells alias Lightning Dust, markiert aber doch gewissermaßen einen Neubeginn. Immerhin ist es die erste LP, die das Duo aus Vancouver nicht mehr als Nebenprojekt von Black Mountain, sondern als Vollzeit-Band aufgenommen hat. Und da man sich bei einem Neuanfang erst einmal behutsam vortasten sollte, beginnt auch „Spectre“ nicht mit einem großen Knall, sondern ganz langsam. Im großartigen Eröffnungsstück „Devoted To“ schält nach und nach eine ebenso schöne wie verschrobene Americana-Melodie inklusive eingängigem Refrain aus sphärisch wabernden Klängen hervor – ein Taktgeber für den Rest des Albums, das nur schwer in eine Schublade passt.

Science-Fiction-Folk? Psychedelic Country? New Weird Irgendwas? Wurscht, wie man die Musik von Lightning Dust nun betiteln mag: Das Ergebnis überzeugt auf voller Linie. „Spectre“ wartet an jeder Ecke mit überraschenden Wendungen und cleveren Einfällen auf, verliert sich dabei aber nie im allzu Experimentellen. Ein paar illustre Gäste fehlen auf „Spectre“ ebenfalls nicht. Im vergleichsweise geradlinigen „Pretty Picture“ verbindet sich der countryfizierte Gesang Amber Webbers mit der E-Gitarre von Stephen Malkmus zu einer unwiderstehlichen Melange, im wundersamen „Competitive Depression“ ist Dan „Destroyer“ Bejar zu hören.

Nach mehr als zehn Jahren gemeinsamer Sache haben sich Lightning Dust mit „Spectre“ nun endgültig freigeschwommen von Black Mountain. Um die Zukunft muss einem nicht bange sein!

04.12.2019 München – Feierwerk
09.12.2019 Leipzig – UT Connewitz
10.12.2019 Berlin – Privatclub Berlin

VÖ: 04. Oktober 2019 via Western Vinyl