Von Michael Smosarski, 27. März 2019

Wer an Dream-Pop denkt, hat vermutlich entweder die sägenden Gitarrenteppiche von Slowdive im Ohr – oder aber die glasklare, traurige Stimme von Mazzy Star-Sängerin Hope Sandoval. In letzterer Tradition steht die kanadische Band Living Hour, und das liegt zum Großteil an Sam Sarty. Die Leadsängerin klingt wie eine Folk-Chanteuse der 60er, und auch die Songs erinnern stilistisch an diese Zeit, aufbauend auf cleanen, perlenden Gitarrenpickings.

Das könnte bereits ebenso simpel wie schön sein, wären da nicht noch die psychedelischen Entgleisungen. Genretypisch feiern nämlich auch Living Hour ihre höchst eigene „Verrückte Teeparty“, lassen Songstrukturen in Fetzen vorüberziehen wie Schäfchenwolken am Sommerhimmel. Dabei verkommen Psychedelica bei ihnen aber nie zum schrägen Selbstzweck, sondern werden immer elegant, fast schon subtil eingesetzt. In Songs wie „No Past“ braucht es dazu noch nicht einmal irgendwelche Klangschichtungen, das Gitarrenspiel und die Stimme von Sarty allein reichen. „Softer Faces“ ist eine betörend verquere Platte für alle, die schon jetzt den Frühsommer herbeiträumen wollen.

VÖ: 01. März 2019 via Kanine Records / Limited Edition Cassette via Späti Palace