Low – Double Negative
© Paul Husband

Low Double Negative

Wenn glaubt, dass man durch nichts mehr aus der Ruhe gebracht werden könnte, kommen auf einmal Low daher und sorgen mit „Double Negative“ für ein handfestes Überraschungsmoment.

Es ist eine der amüsantesten Fußnoten der Rockgeschichte: The Who veröffentlichten Ende 1965 die Single „My Generation“, deren Finale in einer regelrechten Feedbackorgie endete und von den damaligen Ersthörern eindeutig als Aufnahme- oder Pressfehler identifiziert wurde. Diese Geräusche konnten laut damaliger Vorstellung auf keinen Fall gewollt gewesen sein. Was das mit Low zu tun hat? Nun, es passiert dem umtriebigen Noise-Connaisseur nicht allzu oft, dass er zu Beginn eines Stücks erst einmal panisch auf die Stopp-Taste klickt und dann checkt, ob irgendein Kabel vielleicht nicht richtig in der Buchse steckt. Oder vielleicht sogar noch schlimmeres.

Man kennt das Geräusch: Die Plattennadel rutscht am Ende der Seite über die Auslaufrille hinaus auf das Label und verursacht ein schnarrendes Rauschen. So beginnen Low das wohl verstörendstes Album ihrer 25-jährigen Bandgeschichte. Aber vielleicht auch ihr faszinierendstes. Produzent B.J. Burton schuf zusammen mit Alan Sparhawk, Mimi Parker und Bassist Steve Garrington ein Glitch von einem Album: dumpf dröhnend, fies flirrend und sanft säuselnd.

Alles, was wir an Low mochten, ist weiterhin da, nur vielfach verstärkt und beängstigend deutlich auf den Punkt gebracht. Leise ist oft kaum noch wahrnehmbar, laut ist ohrenbetäubend. Zwischendurch hat man das Gefühl, auf einem gewaltigen, schwankenden Riesen zu sitzen, in dessen Inneren es ständig rumort und pfeift. Man möchte Abstand nehmen und sich aus weiter Entfernung ein differenziertes Bild von dem musikalischen Systemabsturz machen. Keine Chance, diese Songs lassen sich nur in mühsamer Kleinarbeit erschließen. Zwischen Störung und Betörung liegt dann nur noch ein summender Schaltkreis.

06.10.2018 (CH) Zürich – Bogen F
08.10.2018 Leipzig – UT Connewitz
09.10.2018 Berlin – Festsaal Kreuzberg
05.02.2019 Erlangen – E-Werk
05.02.2019 Köln – Kulturkirche
05.02.2019 Frankfurt am Main – Sankt Peter
05.02.2019 Hamburg – Uebel & Gefährlich

VÖ: 14. September 2018 via Sub Pop Records
Web Analytics