Von Nico Beinke, 06. September 2019

Leider ist Jana Hunter aka Lower Dens nicht das gleiche Schicksal beschieden, wie dem gleichnamigen Protagonisten „Orlando“ in Virginia Woolf‘s Roman von 1928, der nach zweiwöchigem Schlaf als Frau erwachte. Hunter unterzieht sich seit geraumer Zeit einer Geschlechtsangleichung, sodass im Folgenden der Genus Maskulinum ganz sicher nicht zu Irritationen führen soll, aber in Bezug auf des Musikers Transgender Persönlichkeit, dem Anlass angemessen scheint.

Die „Competition“ scheint dabei weniger der Entschluss, ein leicht käsiges Synthie Pop-Album aufzunehmen, gewesen zu sein, als dieses adäquat melancholisch in die heutige Zeit zu transformieren und mit den gesellschaftlich relevanten Themen zu verbinden. Die 1980er Jahre als Bezugspunkt funktionieren derweil sowohl auf musikalischer Ebene, wie auch auf die Frage nach Geschlechterrollen. Eurythmics, Pet Shop Boys, geschminkte Queer-Combos, oder androgyn mit Lederhose à la Joan Jett, liberal geschlechtsneutral, bessere Zeiten brachen heran, Punk sei Dank.

„Young Republicans“ betont bereits durch seinen Titel den Zwiespalt des jugendlichen Freiheitsdrangs bezüglich reaktionärer Beharrlichkeit. Ganz nebenbei entfaltet der Song durchaus Hitpotential. Es sind einfach sehr merkwürdige Zeiten, wie der Künstler selbst sagt, Zeiten „… uns sozial zu dekonditionieren und zu lernen, Menschen zu sein“.

13.01.2020 Hamburg – Turmzimmer
14.01.2020 Berlin – Frannz Club
19.01.2020 Köln – Artheater
20.01.2020 München – Milla

VÖ: 06. September 2019 via Domino Records