Melt Downer – Alter The Stunt
© Susanne Schwarz

Melt Downer Alter The Stunt

Etwas trainierter, aber kein bisschen weniger böse: Die Biestflüsterer Möstl, Zangl und Giessauf haben mit Melt Downer weiterhin ihr brutales Monster im Proberaum wohnen. Das durfte vor gut einem Jahr das erste Mal vor die Tür und richtete sofort ein gewaltiges Genre-Blutbad an. Die Zeitungen standen voll davon. Irgendwie haben sie es wieder festgebunden gekriegt, ihm in Graz vier Tage lang neue Tricks beigebracht, und jetzt macht es erneut alle musikalischen Kanäle unsicher. Wie sehr Melt Downer seit damals an Cleverness und Variabilität gewonnen haben, wird erst deutlich, wenn man am Ende von „Alter The Stunt“ angekommen ist.

Gleich das ersten Stück streift mehrfach seine Hülle ab und offenbart sich nach anfänglicher, breitbeiniger Machohaftigkeit als waffenstarrender Hipshaker, der stellenweise an der Grenze zum Shoegaze kratzt, bevor die Haut erneut aufplatzt und sich der schwarze Lederstiefel wieder bahnbricht. Unberechenbar gimmicky und brachial waren Melt Downer ja vorher schon, aber jetzt morphen sie sich auch noch dermaßen irrwitzig durch noisige Genre-Versatzstücke, dass einem als Hörer ab und zu ein amüsiertes Lächeln entfährt. „Riddles“ demonstriert beispielsweise, wie sich ein Saxophon prima als Waffe einsetzen lässt, solange man es nur exzessiv genug quält. „Clown“ benutzt das gleiche Instrument für eine jazzig-entspannte Coda, die in dem lärmigen Kontext aber ebenso verstört.

Diese schiere Fülle an Kontrasten wird vor allem durch Präzision ermöglicht. An den wichtigen Stellen wird an der Eisenkette gezogen und das Tier kontrolliert durch den brennenden Reifen geführt. Das klappt meistens beeindruckend gut, aber immer aufs Wort hören die zehn Stücke dann doch nicht. „ICE“ oder „Quest“ sind zum Beispiel in Sachen unbändiger Brachialität wieder sehr nah am Debütalbum und machen in ihrer Explosivität kaum den Eindruck, dass sie durch einzelne menschliche Wesen lenkbar wären. In solchen Momenten schlägt das muskelbepackte Inferno ungebremst los, ohne auf irgendwas Rücksicht zu nehmen. Einen klaffenden, dunklen Abgrund wie das halbstündige „Dawner“ vom Debüt gibt es hier zwar nicht, dafür aber die erfreuliche Erkenntnis, dass Melt Downer trotz aller Weiterentwicklungen wohl immer ein lustvoll, furchterregendes Monster bleiben werden, mit dem sich auch in Zukunft kein Frieden schließen lässt.

VÖ: 19. Oktober 2018 via Rock Is Hell / Numavi Records
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