Von Nico Beinke, 18. September 2020

Passend zum Schulnotensystem nimmt die Qualität der Alben Tame Impalas, der Chronologie ihrer Alben entsprechend, immer weiter ab. Falls Kevin Parker seine Schaffenskrise durch die Rückbesinnung auf ein solides Songwriting beenden mag und dafür einen originellen Sound sucht, könnte er bei Midlifes „Automatic“ fündig werden.

Parkers Abgebrühtheit als Songschreiber und Produzent würde den überkandidelten Schaffensdrang des australischen Quartetts vielleicht in geregelte Bahnen lenken. Aber wer kann das wollen? Midlife schießen während ihres zweiten Albums, von kindlicher Freude beseelt, meilenweit übers Ziel hinaus, und das ist gut so. Die sechs Songs fassende Kraut-Disco fegt jedweden Anflug von schlechter Laune hinfort.

Der Opener „Rare Air“, vereint die schlimmsten Sünden der Bee Gees mit dem Jazzrock von Kraan. Das darauffolgende „Vapour“ lässt durch seinen Funk-Bass ein weiteres Mal an Kraan, die Band um Deutschlands Vorzeige-Bassisten Hellmut Hattler denken. Bereits während der ersten drei Tracks galoppieren Vergleiche zu Klaus Johann Grobes „KOthek“, besagten Tame Impala und Pink Floyd durch meinen Kopf, in Kombination mit den Disco-Beats ist die Verwirrung groß, aber kurz. Sie weicht einer mittelschweren Begeisterung, die sich bereits seit Tagen hält.

VÖ: 19. September 2020 via Heavenly Recordings