Von Oliver Schröder, 31. Januar 2020

Gehaltvoll, kristallklar, ein Quäntchen zu viel Zucker: Hollie und Keith Kenniff hatten anscheinend eine sehr konkrete Vorstellung ihres Sounds als sie vor zwölf Jahren ihr Bandprojekt nach dem klassischen Derby-Cocktail Mint Julep benannten. Der schmeckt nämlich seit Jahrzehnten genau so, wie ihre Musik klingt.

Und wie der Drink, kommt auch das Dreampop-Genre einfach nicht aus der Mode. Seit 2007 haben die beiden immer wieder an der Rezeptur gearbeitet. Experimentiert wäre vermutlich ein zu starkes Wort, denn der Grundton ist stets der gleiche geblieben. Synthies, Hall und Hollies engelshaft über den Dingen schwebende Stimme haben alle Mint-Julep-Songs gemeinsam. „Stray Fantasies“ hat dazu noch einmal ein besonders elegantes Finishing bekommen. Keith steckt allerdings so tief in seiner Materie, dass vor allem er die subtilen Nuancen seiner Musik überhaupt auseinanderhalten kann:

There’s a lot of hiss, saturation and delay, so it all feels slightly homemade and washy and not super slick or polished.

Der Hörer bekommt von diesen Feinheiten nicht allzu viel mit. Er wird von dem süßlichen Nebel aus Electropop-Aromaten sanft eingehüllt, bis alles um ihn herum ineinander zu verlaufen scheint. Ob es eine Stärke oder eine Schwäche des Albums ist, dass alle Stücke denselben Sättigungsgrad besitzen, hängt von der Aufnahmefähigkeit des Hörers ab. Für viele kommt nach einigen Durchgängen aber vermutlich erst einmal der Griff ins Gitarrenrock-Regal.

VÖ: 31. Januar 2020 via Western Vinyl