Von Alex Schulz, 11. August 2020

In Leeds braut sich mal wieder etwas zusammen. Ein Post-Punk Gewitter das gut und gerne auch international einschlagen kann. Aus der größten Stadt Yorkshires entsprangen bisher Bands wie Alt-J oder die Kaiser Chiefs; insbesondere aber die Post-Punk-Heroen von Gang Of Four! Nun schickt sich eine weitere Band an, das Fundament zu einer internationalen Karriere aus der gemütlichen Grafschaft heraus zu legen.

Gang Of Four aus den späten Siebzigern dürften dabei unverkennbar zu den Einflussquellen der vier Jungs von Mush gehören. Die Sprösslinge des wiederholt aufgekeimten Post-Punk und Garage Rock Revivals schrammelten sich bereits mehr als souverän durch ihr im Februar 2020 erschienenes Erstlingswerk „3D Routine“. Erst recht was die Spielfreude angeht, stehen sie früheren Genre-Ikonen in nichts nach.

Würde jetzt anschließend eine ausgedehnte Tour zum Album stattfinden können, würden sie sich die Finger wund spielen, so viel ist sicher. In Zeiten der Pandemie müssen diese dahingehend aber wohl oder übel stillgehalten werden. Davon ungetrübt erwartet die Welt nun eben direkt eine zusätzliche EP aus dem Studio, nur wenige Monate nach „3D Routine“. „Great Artisanal Formats“ erscheint speziell zum Record Store Day in UK und hebt sich vom Konzept nochmal klar vom Debütalbum ab. Von fünf sehr kurzen Punk-Songs sind bisher zwei Stücke bis zum endgültigen Release der EP am 29. August zugänglich gemacht worden. Das nur ca. eineinhalbminütige „Fear Index“ sowie die neueste Single „Dead Beats“ mit zwei Minuten Spiellänge. „I’ve always enjoyed the early punk budget 7″ EPs“ beschreibt Sänger Dan Hyndman den Grundgedanken hinter dem Release. Gerade „Dead Beats“ greift die Punk Ursprünge mit seiner Eingängigkeit auf, ohne jedoch jemals rau zu wirken.

Generell klingen Mush, auch dank der eher hellen Stimmfarbe Hyndmans, wie eine rasantere, aufgedrehte Version von Tom Verlaines einflussreicher Punkband Television. In vielen Momenten zeigen sich auf Albumlänge zudem stakkatoartige Songpassagen und Weirdness à la Devo oder Talking Heads genauso wie die Dynamik der jüngeren Kollegen von Parquet Courts. Bleibt zu sagen: Mush werden jeden Hörer erfreuen, der mit dem wilden Mix der Band etwas anzufangen weiß. Sie stecken voller Energie und es wird keine Zeit außerhalb des Studios verschwendet. Trotz des doppelten Outputs in diesem Jahr hat die Arbeit an einer zweiten LP vor kurzem begonnen! Tanzbare Live-Shows und ein echter Hit fehlen der Band noch um nachhaltig von sich reden zu machen. Bei der Menge an Material und Motivation ist es ja aber bestenfalls nur eine Frage der Zeit.

VÖ: 06. August 2020 via Memphis Industries