Von Nico Beinke, 27. März 2020

Nehmen wir einmal an, wir hätten mehrere Fotos von einer Person, die wir gut kennen, mit dem immer gleichen Gesichtsausdruck, aber mit einer wechselnden Hintergrunddynamik. Mit einer großen Wahrscheinlichkeit bestimmt der jeweilige Hintergrund zu einem beachtlichen Anteil die Grundstimmung des Motivs, im Kontrast zur konstanten Mimik des Hauptmotivs. Es ändert sich die Perspektive, die Sichtweise auf das Motiv, welches wir eigentlich gut zu kennen glauben.

Nigel Chapmans Art zu singen ist die Konstante in den Songs von Nap Eyes, Gitarre, Bass und Schlagzeug bilden die Grunddynamik, die stetig wechselt. Country meets Indie, also im Prinzip Alternative Country, manche nennen es Americana, nur wahrscheinlich nicht unbedingt die Kanadier von Nap Eyes. Vielleicht sind Nap Eyes auch einfach die vakante Schnittstelle zwischen Pavement und Silver Jews. Und schon sind wir beim unvermeidlichen (wie verhassten) Bild des bebrillten Gitarren-Nerds, dem Slacker. Sinnbildlich der Gegensatz des intelligenten Strebers zum tumben Rocker, wobei Rivers Cuomo uns immer wieder bewiesen hat, dass beides geht. Hier bleibt der Gegensatz bestehen, da Nigel Chapmans Art des Vortrags ungemein smart ist, sie ist komplett laid back, klingt wie aus dem Ärmel geschüttelt und ein wenig nach Joel Pott von Athlete. Und für eine kurze Ewigkeit von einem Album („Tourist“) waren Athlete die beste Version von Nerd based Brit Pop seit Blur. Als weitere Eckpfeiler für „Snapshot of a Beginner“ gäbe es noch die Herren Kweller und Folds zu erwähnen, Vornamen Ben.

Wie lange sich die Begeisterung halten wird, lässt sich schlecht schätzen, ein Album für die Ewigkeit klingt nämlich ganz sicher anders. Aber es ist wirklich beängstigend gut gemacht, dieses vierte Album von Nap Eyes.

VÖ: 27. März 2020 via Jagjaguwar