neànder – neànder
© Adrian Schler

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Nachdem Jan Korbach und seine drei Hardcore- und Sludge-Freunde mithilfe eines alten 24-Spur-Aufnahmegeräts ihre ersten Songs aufgenommen hatten, sollte er für einen Kumpel auf dem Reeperbahn Festival etwas abholen. Nichts Wichtiges und doch folgenschwer: ein T-Shirt am Stand von Through Love Records. Seitdem ist seine neue Band namens neànder bei dem Hamburger Indie-Label unter Vertrag.

Einflüsse aus seiner Liveband-Erfahrung mit Casper? In der Klangvielfalt sieht Jan Korbach ein paar Parallelen mit dem selbstbetitelten Debütalbum von neànder. Wie die fünf neuen Instrumentals darauf zu ihren seltsamen Namen gekommen sind und warum sich die Band eher Pink Floyd als Guns n’ Roses zuwendet, erklärt Jan Korbach im Track-by-Track.

Ein Mitglied von neànder hat gesagt, der Verzicht auf Vocals halte die musikalische Bandvision offen. Wie entwickelt sich diese in den knapp zehn Minuten des Openers „Khàpra“?

Jan Korbach: Zu so einem Stück wie „Khàpra“ würde ein Sänger, der die ganze Zeit drüberbölkt oder singt, gar nicht passen. Darin gibt es einen schönen Part, einen düsteren Doom-Part, am Ende einen Postrock-Part – und dadurch, dass du keine Vocals hast, kannst du in dem Song machen, was du willst. Du musst weder auf Harmonien noch Stimmungen achten. Oder darauf, was ein Sänger damit machen würde. Ob Blackgaze-Geschrei oder typischer Klargesang wie im Postrock, du würdest sehr schnell in Genreschubladen landen, obwohl’s viele Genres als Konglomerat in dem Song gibt. Es war anfangs nicht so gedacht, nur ist uns dann aufgefallen, dass wir ohne Vocals viel mehr Freiraum haben. Unsere Musik ist keine Kopfmusik, vielmehr Herz- und Bauchmusik.

„Thũjen“ hat neben genretypischen Dunkle-Landschaft-Assoziationen aber auch seine hellen Momente, vor allem in Sachen Melodieführung. Wie kommt’s?

Warum das so ist, kann ich nicht sagen. Die Musik ist sehr organisch und natürlich entstanden. Es war kein verkopfter Vorgang. Der Song klingt so fröhlich, weil er unser einziger in Dur ist, so was wie der Partysong der Platte. Das Tempo ist schneller. An der Stelle, die für mich so was wie die zweite Strophe ist, hat er einen Iron-Maiden-Moment. Und ich finde die Akustikgitarre bricht das schön auf. Mit dem Schlagzeug wirkt das dann ein bisschen wie Stadionrock oder so was. Die Akustikgitarre kommt später noch mal in „Møder“, aber da hört man sie vielleicht nicht ganz so raus.

Anfang des Jahres ist mit „Aăs“, einem Song zwischen Ambient und Blastbeat, der zweite Vorgeschmack aufs Album per Visualvideo-Stream erschienen. Spielen Design und Farben beim Songwriting von neànder eine Rolle?

Das Visual ist das Albumcover mit animiertem Hintergrund. Und das Artwork ist ein Foto, das unser Schlagzeuger im Slowenien-Urlaub gemacht hat. Es hat keine spezielle Bedeutung. Eine große Rolle bei neànder und auch bei „Aăs“ spielt die Besetzung: Wir sind vier Leute in der Band und verstehen uns gut, sind Kumpels. Jeder bringt seinen Einfluss mit ein. Am stärksten sind wir meiner Meinung nach in Teilen wie dem brachialen nach dem Breakdown in „Aăs“. Das Riff darin könnte fast von Pantera sein [ca. 6:15, Anm. d. Red.]. Fehlt nur noch die Cowbell – den Teil mag ich sehr.

„iimago“ ist durch seine Ähnlichkeit zum englischen „Image“ wohl der zugänglichste der fünf Songtitel. Er ist eine Art überlanger Skit vor dem letzten Stück auf neànder. Welche konzeptionelle Rolle spielen die Titel auf neànder?

Es wurde im Nachhinein ein Konzept reingebaut. Wir haben uns schwer getan, Songtitel zu finden. Erst hatten wir „eins“, „zwei“, „drei“, „vier“ mit römischen Zahlen. Das war aber so einfallslos, dass wir uns gedacht haben: Bei so viel Mühe mit der Musik können wir’s jetzt nicht bringen, solche Titel zu nehmen. Wir haben also weitergesucht und ein Konzept gefunden, das es noch nicht gibt – behaupte ich jetzt einfach mal. Die Geschichte geht so:

Anfang letzten Jahres krabbelten drei, vier Käfer – das klingt jetzt ein bisschen bescheuert – in meiner Wohnung. Die waren nicht groß, so zwei, drei Millimeter. Schwarz. Fielen schon auf an der weißen Wand. Verschwanden, aber kamen wieder ab und an. Das hat mich erst verrückt gemacht, dann hab’ ich aber zwei, drei Käfer in eine Box getan und bin zum Kammerjäger gegangen, um sie ihm zu zeigen. Er sagte, die heißen Khapra-Käfer. Schädling aus Indien, aber so lange du keine tausend Stück davon hast, werden sie dein Sofa nicht auffressen. Dann haben wir uns in die Käfer eingearbeitet, jeder Song ist nach einem anderen benannt. Imago bezeichnet den erwachsenen Käfer.

In der Pressemeldung zum Album heißt es, neànder sei Ritualmusik und solle in Gänze gehört werden. Wie bringt also „Møder“ die Motive des Albums zu einem Abschluss – was ist die Idee hinter dem Stück?

Was die Riffs anbelangt, ist „Møder“ für mich unser schwerster und härtester Song. Erst sollte er der erste auf der Platte sein, das Intro ist aber drei Minuten lang. Ich hab’s dann durchgehört und meiner Meinung nach hat’s dem Hörer Energie weggenommen für die anderen Stücke. Daher fand ich das Stück am Ende der Platte am besten. Irgendwie habe ich das Gefühl, das Intro bereitet den Hörer darauf vor, im letzten Stück noch mal erschlagen zu werden – im positiven Sinn.

Ein richtiges Gitarrensolo findest du nicht auf der Platte. Das Outro von „Møder“ ist soloähnlich, aber auch sehr sphärisch. Es ist eher Pink Floyd als Guns n’ Roses. Eigentlich liebe ich auch Gitarrensolos, aber sie passen einfach nicht zum Charakter der Band. Ich denke, wir werden den Teil live auf 20 Minuten ausdehnen. Sehr träumerisch.

VÖ: 22. Februar 2019 via Through Love Records
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