Nils Frahm – All Melody
© Alex Schneider

Nils FrahmAll Melody

Das Wohlfühlkabinett des Nils Frahm. Dem Berliner Funkhaus, einst bedeutungsvoller DDR-Rundfunkbau aus den Fünzigern, wurde in den letzten Jahren erfolgreich neues Leben eingehaucht. Nils Frahm, das kleine Durton Studio hinter sich lassend, lädt uns ein in diesen beeindruckenden Ort zur Vorstellung seines neuen Albums „All Melody“ in den Saal3s.

Hohe Räume, dunkles Holz soweit das Auge reicht, ein halbes Jahrhundert alte Absorber und Diffuser – perfekte Akustik. Hier wurde Zeit konserviert, doch die Uhr in der Wand läuft geräuschlos weiter. In Hausschuhen an der Orgel begleitet Frahm den hypnotischen Gesang des Einstiegsongs der doch viel zu schnell abdankt und sich in „Sunson“ verliert, während der immerzu freundliche Moog mit den Delays tanzt. „A Place“ sollte eigentlich „The Place“ heißen, so akustisch vollendet ist dieses Stück aus Chören, luftiger Synthesizermelancholie und den vereinzelten Streichern inszeniert. Das hier ist Perfektion! Vorsichtig streicht der Künstler über die Tasten des Klaviers, die klackernde Mechanik lässt den Hammer leise gegen den Moderatorfilz tippen. Absolute Ruhe im kleinen Saal, der Raum wirkt.

Für einen Moment geht der Blick zurück und wir fühlen uns mit den frahmschen Klavierwerken geborgen, so vertraut sind sie uns. Dann ziehen uns Schlagwerk, Trompeten und Welle um Welle diese Stimmen weiter. Die Melodik wird scheinbar kurz vom kommenden „Forever Changeless“ aufgefangen und zerstaubt dann zu Stille. Blinkende Dioden erhellen rhythmisch den Raum für den Titeltrack, der sich mit „#2“ verbrüdert und Frahm wickelt uns damit in zwanzig Minuten feinster Elektronika ein. Versuche, die scheinbar profan geloopte Momentum-Sythesizersequenz zu dechiffrieren, scheitern kläglich. Probiert das mal. Gekonntes Handwerk bis ins Detail. Die musikalische Studioführung endet mit dem präparierten Kaleidoscope-Flügel auf dessen Saiten der Musiker Gegenstände zittern und vibrieren lässt, ehe er sich – zurück an der Orgel – verabschiedet und dann vor lauter Gastfreundlichkeit vergisst, die Bandmaschine auszuschalten.

22/01/2018 Berlin – Funkhaus (ausverkauft)
23/01/2018 Berlin – Funkhaus (ausverkauft)
24/01/2018 Berlin – Funkhaus (ausverkauft)
25/01/2018 Berlin – Funkhaus (ausverkauft)
27/01/2018 Köln – Philharmonie (ausverkauft)
21/04/2018 Hamburg – Elbphilharmonie (ausverkauft)
22/04/2018 Leipzig – Gewandhaus zu Leipzig (ausverkauft)
24/04/2018 Frankfurt – Alte Oper
25/04/2018 München – Muffathalle
28/04/2018 (AT) Linz – Posthof
29/04/2018 (AT) Graz – Orpheum
30/04/2018 (AT) Wien – Konzerthaus
03/05/2018 (CH) Zürich – X-Tra
01/12/2018 München – Philharmonie im Gasteig

VÖ: 26. Januar 2018 via Erased Tapes / Albumstream via NPR
Web Analytics