Von David Maneke, 05. November 2019

Ok, schließe die Augen. Stell dir eine One-Man-Band vor, was hast du vor Augen? Eventuell einen traurigen Straßenmusiker mit Gitarre in der Hand, einer Mundharmonika vor dem Gesicht geschnallt als wär das prekäre Dasein nicht ertragreich genug für eine Außenzahnspange und auf dem Rücken eine Trommel, gespielt mit einem Fußpedal. Richtig? Nunja, falsch. Nicht nur dass eine simple Wikipedia-Recherche zur Erkenntnis führt, dass das Phänomen One-Man-Band bislang schon eine reiche Kulturgeschichte über kulturelle Grenzen hinaus erlebt hat. Vor allem zeigt Leipzigs finest Oh No Noh in seiner großartigen Live-Aufnahme zu „Digit“ wie man das One-Man-Game ganz am Puls der Zeit interpretieren kann.

Das Rückgrat des Songs, und da bewegt er sich dann noch in den engeren Grenzen dessen, was ernstzunehmende Solo-Projekte gerade so tun, sind diverse Gitarrenloops, die zusammen allein schon einen ganz spannenden, wenn auch repetitiven Klangteppich erzeugen. Highlight des Songs und des Videos aber ist die selbstgebaute Drum Machine, der eigentliche Star des Videos. Zusammengebaut ist sie aus simpler Mechanik, Gegenständen des Alltags und Spielzeug, und als wär das nicht schon cool genug blinken zum Beat Lichter.

Das Video zeigt Markus Rom – die Person hinter Oh No Noh – wie er in der Mitte eines (im übrigen wunderschönen) Homestudios steht und seine Gitarre spielt. Im One-Take fährt die Kamera für die nächsten fünfeinhalb Minuten um ihn herum. Mal ist der Blick aufs Ganze gelegt, mal fährt die Kamera ins Detail. Rom nimmt sich seinerseits zurück, macht da einfach sein Ding und lässt sein Werk so doch am deutlichsten Wirken.

Der Song an sich ist relaxt, im Grunde eine zeitgeistige Meditation in gewohnten Melodien. Beats und Stimmung necken sich hie und da, bilden aber im Großen und Ganzen doch eine gefällige Komposition. Der ganz komplettierte Reiz von Oh No Now spielt sich, und das illustriert das Video ganz prächtig, vor allem im Performativen ab – will sagen: wenn du eine Chance hast, Oh No Noh mal live zu sehen, dann nutze Sie!

VÖ: 27. September 2019 via Oh No Noh