Okkervil River – In The Rainbow Rain
© Shervin Lainez

Okkervil River In The Rainbow Rain

Zwei Jahre sind vergangen, seit sich Will Sheff in einer abgelegenen Waldhütte verschanzte und Okkervil River zu einem Soloprojekt mit wechselnden Gastmusikern schrumpfen ließ. „Away“ war ein Produkt der Abnabelung – sehr intimes und bewusst karg gehaltenes Songwriting, dazu Grabgesänge wie „Okkervil River R.I.P.“ Unterbewusst machte sich schon das bange Gefühl breit, der Mann könne es tatsächlich ernst meinen und sein Talent an den Nagel hängen.

Glücklicherweise muss Sheff auf dem Dachboden seiner Hütte irgendwie über eine eigestaubte Konfettikanone gestolpert sein. Anders ist die radikale Kehrtwende, die Okkervil River auf „In The Rainbow Rain“ vollziehen, nicht zu erklären. Fast jeder Song huldigt mit voll aufgedrehten Synthesizern und Pappmaché-Beats der 80ies. Ein bisschen fühlt man sich an die Coming-of-Age-Platte „The Silver Gymnasium“ erinnert. Hier bemühten sich Okkervil River schon intensiv um Anschlussfähigkeit in Richtung Achtziger-Pop. „In The Rainbow Rain“ legt jetzt nochmal eine Schippe drauf. Mit „Love Somebody“ hören wir plötzlich den Radiohit, den Okkervil River nie haben werden. „External Actor“ ist eine merkwürdige Wumtata-Blödelei, die sich Sheff in anderen Schaffensphasen wohl nie getraut hätte zu schreiben. „In The Rainow Rain“ will Leichtigkeit zelebrieren.

Die stärksten Momente finden sich aber dort, wo der Zuckerguss bröckelt. „Don’t move back to L.A.“ ist mit seiner schluffigen Soulbass-Linie und gekonnt gesetzten Gospelmomenten ein echtes Highlight. Ebenso das anrührende „Famous Tracheotomies“, in dem das lyrische Ich mit einem Luftröhrenschnitt wiederbelebt wird. Darüber hinaus erzeugt „In The Rainbow Rain“ allerdings auch sehr viel heiße Sommerluft, die sich schnell verflüchtigt. Trotzdem ist es beeindruckend mit welcher Hingabe Will Sheff seiner Musik immer einen anderen Drall verpasst. Diese Tatsache führt zu der erfreulichen Erkenntnis, dass es für Okkervil River (in welcher Formation auch immer) immer noch Neues zu erschließen gibt. Das darf dann gerne so weiter gehen.

VÖ: 27. April 2018 via ATO Records
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