Von David Maneke, 25. Juli 2019

Fullmoon again, OOI haben nachgelegt. Am vergangenen Freitag ist „High“ herausgekommen und dockt dort an, wo OOI uns nach der EP Ghost in hoffnungsvoller Erwartung haben stehen lassen. Denn was sich auf „Ghost“ schon angekündigt hat; die Text-Musik-Schere ist auch hier weit geöffnet und geleitet uns mit sanftem Druck in die Zwischenräume von Meta-Interpretationen. Stell dir mal vor, du hättest in den Schnittmengen unserer musikalischen Echoblasen vor ein paar Jahren einen Song gehört, der „High“ betitelt wurde – gute Chance dass es um Drogen gegangen wäre und ’n Zehner, dass man in der Musik irgendeine Interpretation mit der Schlagrichtung Euphorie hätte argumentieren können.

Aber das ist alles zu profan für OOI, denen es weder um eine plumpe Drogenfantasie geht, noch um Lighthouse Family-mäßige Freude. Irgendwie geht es wohl um die Liebe („love´s the only thing that i know“), aber die Band zerpflückt diese Vorerwartung an den Titel von Beginn an. Sänger Nicolai Zettl haucht in unterkühltestem Contemporary R&B/Modern-Psych-Mashup Falsett Fragmente einer Sprache der Liebe ins Mikrofon. Das Drumming von Flo König ist musikgewordener Stoizismus und Dodo dal Boscos Keyboardspiel lebt von sparsamer Harmonie, aber dem beständigen Spiel mit dem Motiv. Entstanden ist ein Popsong für die ganz glamourösen Stunden der Einsamkeit, außerordentlich lässig und unterkühlt. „High“ gibt dir aber auch gar kein Fünkchen manischer Euphorie, lässt dich allerdings auch nicht im Selbstmitleid versinken. Im Gesamtbild schwebt das Stück irgendwo über den Dingen, nicht roboterhaft unbeeindruckt, aber doch mit sehr kontrollierter Emotionalität.

Was dazu dann auch noch passt, ist, dass der Song eine Geschichte hat, die in die Anfangszeit der Bandgeschichte zurückreicht. Die erste Version des Songs wurde bereits 2016 aufgenommen, in der Folge aber offenbar immer wieder umgewälzt, so dass der Song 2019 nicht mehr allzu viel mit der ersten Version gemeinsam hat. Das liebgewonnene Narrativ des Liebesliedes, geschrieben am besten unter Zuhilfenahme billiger Alkoholika in einer einzigen Nacht, am nächsten Tag als One-Take aufgenommen – auch diese Bilderbuchbiographie eines Lovesongs wird von OOI dekonstruiert. „High“ ist kein Zufallsprodukt, sondern Ergebnis langer künstlerischer Arbeit. Es ist ein ziemlich kluger Song, der, das soll nicht zu kurz kommen, unfassbar gut ins Ohr geht. Die Herangehensweise wirkt nach anachronistischen Metriken ein bisschen unromantisch, aber wen überrascht es. Umso besser ist das Ergebnis.

17.08.2019 Hamburg – MS Dockville
16.10.2019 Würzburg – Cairo
17.10.2019 Stuttgart – Merlin
18.10.2019 München – Zehner
21.11.2019 Frankfurt a.M. – Ponyhof
22.11.2019 Köln – Stereo Wonderland
23.11.2019 Hamburg – Mojo Jazz Café
24.11.2019 Berlin – Privatclub

VÖ: 16. Juli 2019 via Full Moon in Capricorn