Von Stefan Killer, 19. Juni 2020

In der deutschen Hauptstadt gibt’s die, die gern so wären wie Pabst, und es gibt Pabst. Nein, so groß ist die (original) Berliner Band nicht. Oder doch? Eine Split mit Autisti, ein gefeiertes Debüt und etliche 90s-trächtige Auftritte später – man denke an frontmännische Sprünge vom Bass-Stack und durchgeschwitzte Slipknot-Sweater – und schon ist Pabst eine feste Instanz im kollektiven Gedächtnis der Krachnation. Hält Album Nummer zwei, „Deuce Ex Machina“, was die zeitgeistig perfekte Verpackung verspricht?

Pabst sind Helden der Generation Y, Widersacher der post-X-verseuchten Subkultur. Und das spiegelt sich nicht nur in den übertrieben pinken Plüschvideos wider. Das Trio klatscht in die Hände, lässt den Bass in grober Novoselic-Manier knattern („Legal Tender“). Feiern bekommt während beziehungsweise nach „Ibuprofen“ wieder die Bedeutung, die das Wort vor Corona, vor isolationsbedingter Tristesse und Remixe, hatte: Springen, spinnen, Spelunken. Hach, gute Zeit. Zurück zum Thema: „Deuce Ex Machina“.

Feiern und Spaß ist das vorherrschende instrumentale Thema auf dem Album – die vokale Ebene kommt hinterher. Und das ist auch gut so, denn wer braucht schon das ganze Krisenjahr über krisenbehaftete Musik. Da kommt „Deuce Ex Machina“ mit seinen treibenden Grooves recht, und dessen träumerischer Zäsur-Skit („wish.com“) ebenso. „Hell“ könnte mit angezogener Fuzzbremse ebenso aus der Feder Christoph Lindemanns stammen, er zählt ohnehin zu den Nachbarn und Freunden der Band.

Eingängig schräge Hooks

Kurz zum Inhalt: Der ist manchmal etwas ernster wie in „Skyline“, dem Song über die Berliner Bandwurzeln, die durch Gentrifizierung und Glamourösierung langsam ihren Saft verlieren. Manchmal trieft er aber auch vor selbstironischer Trockenheit („Up the Heat“), vielleicht um wieder ein bisschen wachzurütteln. Ob als europäischer Abkömmling einer Desert Session oder Frotteevariante der Kurt-Cobain-Actionfigur, Pabst verkörpert spätestens zu diesem Zeitpunkt Pop in Reinform.

An „Deuce Ex Machina“ gibt es tatsächlich wenig auszusetzen. Klar, mancheine(r) könnte sich über teils dilettantische Gesangsdarbietungen echauffieren. Das wäre aber angesichts des überragenden Songwritings zu viel des Guten. Denn mal ehrlich: Wer schreibt heute sonst so grob verzerrende Riffs und eingängig schräge Hooks, dass deren Kombination schon fast befremdlich wirkt? Richtig, das ist Pabst aus Berlin.

Und wer meint, das sei übertriebenes Gen-Y-Fanboygeschwafel, überzeuge sich gern selbst – zu „PABSTs Virtual Summer 2020“ im WDR Rockpalast. Am Ende sind wir alle „in it to get fucked up, maybe to play a little rock and roll!”

VÖ: 19. Juni 2020 via Ketchup Tracks