Von Christian Selzer, 16. März 2020

Und dann kommt sie doch noch. Fast 27 Minuten dauert es, bis auf „Conference of Trees” zum ersten Mal die für elektronische Clubmusik obligatorische Vierviertel-Kick ertönt. Aber ist das überhaupt noch Clubmusik? Wohl kaum. Den Draht zu seinem früheren musikalischen Leben hat Hendrik Weber alias Pantha Du Prince auf seinem sechsten Album fast vollständig gekappt. Stattdessen zieht er sich in den Wald zurück, um eine neue musikalische Sprache zu finden. Im Zentrum von Webers Forschungen stehen die Bäume. Genauer: die Kommunikation der Bäume untereinander.

Ist der Patschuli-Dunst verzogen, überrascht „Conference of Trees” mit einer erstaunlich vielschichtigen Klanglandschaft. Das mit klassischer Cello-Instrumentierung und allerhand Geklöppel untermalte erste Drittel des Albums zeichnet das Bild eines sorglosen Idylls, in das sich zunehmend dissonante Töne mischen. Unheimliche Stimmen rücken ins Zentrum. Das Gewirr nimmt zu, gewinnt an Intensität, und spätestens mit Einsetzen der Kickdrum ist aus dem Paradies eine düstere Ödnis geworden.

Was Pantha Du Prince uns damit sagen möchte? Dass alles miteinander verbunden ist. Der Planet als Nervensystem, der seit geraumer Zeit unter Stress steht. Dafür hat Pantha Du Prince eine musikalische Ausdrucksform gefunden, die in ihrer atmosphärischen Vielstimmigkeit tatsächlich wie ein Dialog unter Bäumen klingt: wohlklingend und entspannend – bis die Maschinen einsetzen und die Harmonie der Besorgnis weicht.

02.11.2020 Berlin – Volksbühne (19:00 Uhr und 21:30 Uhr)
03.11.2020 Berlin – Volksbühne (19:00 Uhr und 21:30 Uhr)
04.11.2020 Berlin – Volksbühne (19:00 Uhr und 21:30 Uhr)

VÖ: 06. März 2020 via BGM / Modern Recordings