Von Oliver Schröder, 09. April 2020

Konsumkritik, persönliche Freiheit, Manipulation: Bisher war das Dreampop-Genre nicht gerade für seine gesellschaftskritischen Statements bekannt. Besonders auf dieser Seite des Millenniums reichen sepiafarbene Filter, Naturmotive und Songtitel wie „Cloudburst“ oder „Sundiver“ – fertig ist die Message! Es geht in erster Linie um die Inszenierung perfekter Momente. Style over substance ist spätestens seit dem Revival Teil der Shoegaze-DNA. In den Neunzigern sah das noch etwas anders aus. Nicht wenige Bands luden ihre Musik politisch auf, stellten sich damit gegen den Kapitalismus und kämpften für ihre künstlerische Unabhängigkeit.

Peel Dream Magazine knüpfen nicht nur inhaltlich daran an. Die erste Single „Pill“ wirkt mitsamt Video wie eine My-Bloody-Valentine-Reinkarnation, die gemeinsame Sache mit Stereolab macht. Mastermind Joe Stevens fragt nach der allgemeinen, unersättlichen Kauflust und kritisiert deren negative Auswirkungen auf uns alle: „self-medication for the pain of doubt, want and need.” Hier funktioniert auch die Verquickung aus Avant- und Noisepop am besten.

Die restlichen Stücke wollen sich trotz aller Eingängigkeit nicht immer vollständig zu einer homogenen Emulsion verbinden. Der krautige Loungepop („Emotional Devotion Creator“, „It’s My Body“) schwimmt meistens schillernd an der Oberfläche, währenddessen sich die aufgeschichteten Gitarrenwände langsam am Boden („NYC Illuminati“) oder auf der Tanzfläche („Eyeballs“) absetzen wollen. Diese unterschiedlichen Lagen verleihen „Agitprop Alterna“ bisweilen den Charakter einer Compilation. Die beiden genannten Bands sind dabei mit Sicherheit nicht die schlechtesten Referenzen, mittlerweile allerdings auch nicht mehr die innovativsten.

VÖ: 03. April 2020 via Tough Love Records