Von Connor Endt, 16. Oktober 2019

Stuttgart, die Stadt mit dem wohl wahnsinnigsten Bauvorhaben seit dem Berliner Flughafen, hat in den vergangenen Jahren einige bemerkenswerte Bands hervorgebracht: Karies oder Die Nerven etwa. Fehlende Strukturen sorgten dafür, dass man sich selbst organisieren musste und so entstand eine kleine, aber feine Szene, in der jedes Bandmember gefühlt auch in allen anderen Bands der Stadt irgendein Instrument spielte.

Julian Knoth (Die Nerven) und Paul Abbrecht sind dafür ein gutes Beispiel. Zusammen spielen sie in den beiden Formationen Peter Muffin und dem Yum Yum Club. Abbrecht gründete zudem die Band Sloe Paul und brachte vergangenes Jahr sein Debüt heraus. Stuttgart ist man längst entwachsen, attraktivere Städte wie Leipzig oder Berlin locken und wenn man schon in zwei Bands zusammen spielt, warum sollte man dann nicht gleich eine gemeinsame Single aufnehmen?

„Sweaty But I Love It“ nimmt einen mit in die Disko, wo smoothe Synths auf eine Funk-Gitarre treffen und der Schweiß von der Decke tropft. Knoth und Abbrecht wechseln sich mit dem Gesang ab und mischen deutsche und englische Zeilen, was bei diesem Song ganz hervorragend funktioniert. „Wenn’s nach mir geht, muss das Shirt nass am Körper kleben“ heißt es da und der Song passt perfekt zum diesjährigen, bestialisch heißen Sommer.

„Warum können wir nicht zusammen leben“ setzt auf einen minimalistischen Beat mit kaltem Snare-Sound, Percussion, Trompete und Keys. Der Song ist eine Hommage an „Why can’t we live together“ von Timmy Thomas und verfrachtet eine Botschaft aus den Siebzigern in die Jetztzeit, die heute wichtiger denn je ist. Denn egal ob Thomas „No matter what color, you’re still my brother“ oder Knoth „Scheißegal von welchem Ufer du bist, trotzdem ein Bruder“ singt, die Botschaft kommt an und hat traurigerweise nichts an Aktualität eingebüßt. Ein besonderer Gänsehaut-Moment stellt sich ein, wenn sich gegen Ende Trompete und Keys reiben und Knoth über allem seine Stimme ausbreitet. Bleibt nur noch zu hoffen, dass die beiden Musiker ihrer 7″ bald mehr Material folgen lassen!

VÖ: 18. Oktober 2019 via Treibender Teppich Records