Von Oliver Schröder, 18. Februar 2019

Die Schönheit der Stunde: Wenn man in den einschlägigen Musikmedien überhaupt nicht unterwegs ist, was für den Leser wohl kaum der Fall sein wird, und völlig vorbehaltslos in Piroshkas Album hineinhört, entsteht erst einmal dieser furchtbare Moment: „Woher, woher kenne nur ich diese Stimme?“

Ein paar Stücke später, also spätestens bei „What’s Next?“, kommt es dann zum Moment der Erkenntnis, handelt es sich doch quasi um ein waschechtes Stück Indiepop der Marke Lush. Piroshka ist demnach das neue Projekt von Miki Berenyi, der ehemaligen Stimme der Londoner Band, die in der ersten Hälfte der Neunziger Jahre ein paar veritable Brit-Hits zu verzeichnen hatte, dann aber recht schnell in Vergessenheit geriet. Vor drei Jahren flackerten Lush mit einer Reunion kurzzeitig erneut auf. Geblieben ist der Wille zu bleiben und der Drummer.

Die Schalter bei der Aufnahme „Brickbeat“ standen trotz einiger Updates definitiv auf „retro“: Justin Welch (Ex-Elastica) sprang ja schon bei der Wiedervereinigung ein. Dazu kamen Moose und Michael Conroy (Modern English). Susammen mit Berenyi machen sie fast genau jenen spröden Gitarrenrock mit Dreampop-Einflüssen, zu dem man schon 1995 auf der Tanzfläche mit Union Jack auf dem Shirt wunderbar die Augen verdrehen konnte. Gerade durch ihre Rückwärtsgewandtheit klingen die zehn Songs wie die melancholische Abschiedsparty einer vergangenen Zeit. Kurz bevor sich das Vereinigte Königreich endgültig aus dem Staub macht.

27.04.2019 Berlin – Privatclub

VÖ: 15. Februar 2019 via Bella Union