Von Oliver Schröder, 25. November 2019

Morgens aufstehen und nicht wissen, wie der Tag enden wird: „Drift“ ist ein wunderbarer Soundtrack um in den Tag hineinzuleben. Ein Feel-Good-Album ist es aber dadurch noch lange nicht.

Jana Sotzko (Dropout Patrol, Soft Grid) aka Point No Point hatte keinen Plan für ihr erstes Soloalbum. Unfertige Demos und Songskizzen aus unterschiedlichen Schaffensphasen bildeten die Grundlage für die sechs Songs, die in Priština im Kosovo schließlich mit dem Produzenten Dritero Nikqi zusammengeführt und vervollständigt wurden. Dabei klingt „Drift“ weder unfertig, noch nach DIY, sondern eher reduziert und auf den Punkt gebracht. Das Gefühl des Treibenlassens ist ein steter Begleiter, der den Hörer auf eine Erkundungstour durch die Nacht mitnimmt. Man begegnet vielen Gestalten, die man während des normalen Tagesablaufs im Vorbeigehen sonst leicht übersieht, die aber hier genug Raum bekommen, um sich vollständig entfalten zu können.

Sich mühsam voranschleppender Klavierjazz („The Sedatives Are Wearing Off“), psychedelisch versponnener Drone-Folk („Monolith“) oder melancholisch pluckernder Indiepop („Don’t Cancel Your Plans“) werden hier zu musikalischen Polaroidaufnahmen – gleichzeitig flüchtig und dauerhaft. Das Ende bleibt offen.

22.11.2019 Berlin – Schokoladen (Release Show)
28.11.2019 Frankfurt/M. – Ono2
29.11.2019 Karlsruhe – P8
30.11.2019 Würzburg – Kult
01.12.2019 Nürnberg – Musikverein

VÖ: 22. November 2019 via Späti Palace