Poly-Math – House of Wisdom | We Are The Devil
© Nick Pope

Poly-Math House of Wisdom | We Are The Devil

Der Muezzin ruft die Math-Prog-Gemeinde zum taktvollen Ausrasten auf: Sobald die Gläubigen das „House of Wisdom“ von Poly-Math durch das schlicht „Preface“ getaufte Intro betreten, beben die Wände. Nicht nur wegen des massiven Basseinsatzes, sondern auch aufgrund der zerstörerischen thematischen Arbeit, die das Trio auf ihrem Debüt-Longplayer leistet – handelt er doch grob vom Niedergang des islamischen goldenen Zeitalters.

Die Musiker orientieren sich dafür stets am Progressive Rock altertümlicher Genrepropheten, legen ihn aber modern in Math-Richtung aus. Mit Blick auf die zweiteiligen Titel der elf Gebote auf dem Konzeptalbum passt das gut, denn mit jedem gibt Poly-Math seine instrumentale Version zu Themen wie der Belagerung – und letztlich Zerstörung – Bagdads im 13. Jahrhundert („1258 | In the Sights of Mesopotamia“) wieder oder spricht generell die inhaltliche Brisanz in den damaligen Häusern der Weisheit an. Vollständig heißt das Album deshalb auch „House of Wisdom | We Are the Devil“.

Stücke wie „Mathematics | 12 Days“, „Astronomy | The Uncelestial“ oder „Philosophy | Death & the Devil“ sollen wohl von der Zerrissenheit der gläubigen Gelehrten erzählen. Kurz in der Wikipedia recherchiert und schon wird klar, wieso Poly-Math für das Album viele verschiedene Gastauftritte, darunter auch von Orgelspielern und Erzählern, arrangiert hat: Das „House of Wisdom“ war und ist – zumindest bei Poly-Math – ein großartiges Konstrukt einer vielfältigen Auseinandersetzung mit Islam, Juden- und Christentum sowie natur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, kurz neuen und alten Ideen.

Poly-Math bedient sich auf „House of Wisdom | We Are the Devil“ bekannter Spielarten und Effekte, um ein modernes Klangbild einer vergangenen Ära zu schaffen – instrumental wie thematisch. Die Assoziationen, die das Trio dabei im Zusammenspiel mit den Musiktiteln hervorruft, sind vielleicht nicht immer für jeden schlüssig, das Gespielte ist dafür technisch auf die progressive Spitze getrieben. „House of Wisdom“ hat das Zeug zum neuen Standardwerk für Math-Prog-Jünger.

VÖ: 20. April 2018 via Lonely Voyage Records
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