Preoccupations – New Material
© Pooneh Ghana

Preoccupations New Material

Preoccupations, Kanadas begnadetste Krawall-Landschaftsmaler, sind zurück mit ihrem düsteren Gebräu aus New Wave und Postpunk und ziehen auf „New Material” die Vorhänge ein gutes Stück weiter zu. Leid in Liedform war zwar auch das Motto der beiden ersten Platten (bis 2016 waren Preoccupations noch als Viet Cong unterwegs), doch immerhin ließen die zickigen Gang-of-Four-Gitarren hin und wieder Platz für vagen Optimismus und ein paar Sonnenstrahlen. Damit ist jetzt Schluss.

„New Material” dringt tief vor ins musikalische Dickicht der 80er-Jahre und beschwört die dunklen Geister der Ära. Als „ode to depression and self-sabotage” bezeichnete Sänger und Bassist Matt Flegel die Platte im Vorfeld und, nunja, er hat nicht gelogen. Das zeigt schon der dystopische Opener „Espionage”: Mit kalten Drumbeats und monotonen Bassläufen versetzt der Song die Hörer direkt in das rostige Gerippe einer nordenglischen Fabrikruine. Und wenn Flegel in „Solace” mit hallgetränkter Grabesstimme die Zeilen „Everything’s falling apart/and we all have confessions to make” singt, beginnt vor dem inneren Auge des Rezipienten Ian Curtis manisch zu tanzen. Preoccupations im Jahr 2018: mehr Joy Division als Gang of Four.

Der schockgefrostete Postpunk auf „New Material” übertrifft die Vorgängeralben an selbstzerstörerischer Intensität. Den experimentellen Umgang mit Genrekonventionen behalten Preoccupations aber auch in ihren neuen Songs bei. Immer wieder schimmern in „Antidote” Soundflächen hervor, die zwischen kratzigen Gitarren und nervösen Rhythmen Räume und Resonanzböden öffnen. „Manipulation” beraubt Bass und Schlagzeug ihrer Funktion als Motor und lässt eine pluckernde Synth-Melodie den Puls vorgeben. „Solace” kommt so etwas wie einer Hitnummer am nächsten: Mit schmissigem Synthesizer und flirrenden Gitarren schielt der Song auf die vernebelte Tanzfläche im Strobo-Gewitter, ganz hinten im toten Winkel der Indie-Disco.

Preoccupations sind auch auf ihrer neuen Platte keine Gute-Laune-Band. Die lebensmüde Eingängigkeit macht „New Material” jedoch zur besten Wahl für einen rauschenden Totentanz – live zu erleben auch bei der Europatour im Sommer.

07.06.2018 Berlin – Musik & Frieden
04.07.2018 Hamburg – Molotow

VÖ: 23. März 2018 via Jagjaguwar
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