Von Oliver Schröder, 23. März 2020

Ein Gefäß, so vollgepackt, dass es sich wölbt, wie der Bauch eines Buddhas: Diese Bowl findet man nicht im Health-Food-Bereich der Speisekarte. Dafür hat sie zu viele psychoaktive Zusatzstoffe. Und sie ist deutlich zu lecker. Pretty Lightnings viertes Album setzt den Kurs fort, der mit „The Rhythm of Ooze“ vor drei Jahren eingeschlagen wurde, allerdings werden die Beine beim Performen nicht mehr ganz so breit gemacht, sondern immer häufiger auf zum Teil abenteuerlicher Weise so ineinander verschlungen, dass man die Füße gar nicht mehr sehen kann. In dieser Stellung lässt sich die gehaltvolle Mischung auch am besten konsumieren. Die ist jetzt etwas ausgewogener als bisher abgeschmeckt, subtilere Aromen haben jetzt auch eine Chance.

Die Saarbrücker klangen noch nie so relaxt und ausgeglichen. Psychedelische Hymnen (“Greyhound”) gelingen ihnen genauso mühelos wie rotierender Fuzzrock („RaRaRa“) oder augenzwinkernd-schleppender Drone („There Is Ooze In Our Shooze“). Das alles macht „Jangle Bowls“ so reichhaltig, dass Einsteiger und Kenner gleichermaßen satt werden. Was in dem sonst so eng bemessenen Genre schon eine ganz besondere Kunst ist.

VÖ: 20. März 2020 via Fuzz Club Records