PTTRNS – Material und Geschichte
© Anna Eiling

PTTRNS Material und Geschichte

„Material und Geschichte”, das klingt mehr nach eifrigem Proseminar-Pop als nach der Tanzmusik der Zukunft. Genau dieser Frage gehen PTTRNS auf ihrem dritten Album aber nach und konstruieren dazu einen mächtigen Theorie-Überbau. Hüftsteif ist „Material und Geschichte” aber trotzdem nicht: PTTRNS verlegen ihre Forschungsarbeit vom Elfenbeinturm in die Hüpfburg und wirbeln dort Einflüsse aus Disco, Funk und Afro-Beat zu einem hypnotischen Future-Pop zusammen. Wie auf den Vorgängeralben spielt sich das vor allem im Spannungsfeld von perkussiver Rhythmusarbeit, windschiefem Falsett-Gesang und einer Jam-basierten Körperlichkeit ab. Das Forschungsfeld stecken die Klangtüftler jetzt aber weiter ab: Groove-basierte Floor-Nummern werden mit flächigeren Ansätzen und Loop-Strukturen gemischt, Melodien und Harmonien für ein gesteigertes Interesse an Klangfarben öfter mal vernachlässigt. Veränderung ist eben das beste Gegenmittel gegen die Gefahr, dass der eigene Klangkosmos irgendwann zum Kerker wird.

Für die popmusikalische Entdeckungsreise holten sich PTTRNS weitere Verbündete ins Boot. Rabea Erradi (Die Heiterkeit, Sleep) und Sonja Deffner (Jason & Theodore, Die Heiterkeit) erweitern das Klangspektrum der Band durch Klarinette und Saxofon, Ja, Panik-Frontmann Andreas Spechtl hat das Album produziert. Ergebnis ist das bislang abwechslungsreichste Werk der Band: „Second Ethics” erinnert mit minimalistischem Synth-Loop und glasklarer Gitarre an die treibende Rhythmik von Neu!, „Armado” stößt mit Saxofonsolo und explosiven Funkgrooves die Tür zum Schlafzimmer weit auf und „Contretemps” verströmt mit Flächen-Synths und Anleihen aus der kosmischen Musik die beruhigende Wirkung eines Sedativs.

Bange um die Zukunft muss einem also nicht sein: PTTRNS bleiben funky und unwiderstehlich verkopft. Wer das überprüfen möchte, kann gleich die Tanzschuhe schnüren: Die Band ist ab morgen auf Tour.

05/04/2018 Hamburg — Hafenklang
06/04/2018 Köln — Gebäude 9
08/04/2018 Ulm — Cabaret Eden
09/04/2018 München — Milla
10/04/2018 Nürnberg — Zentralcafé im K4
11/04/2018 Dresden — Ostpol
12/04/2018 Leipzig — Ilses Erika
14/04/2018 Berlin — Berghain Kantine

VÖ: 30. März 2018 via Altin Village & Mine
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