Raketkanon – RKTKN#3
© Anton Coene

Raketkanon RKTKN#3

Iggy Pop spielt Raketkanon rauf und runter in seiner Sendung. Grund genug für den Otto-Normal-NEØLYD, zumindest das neue Album der belgischen Band einmal anzuhören. Oder? „RKTKN#3“ ist jedenfalls seit Kurzem draußen – und nichts für feine Ohren.

In der Single „Ricky“, die’s vorab gab und als Album-Opener dient, treibt Raketkanon mit grobem Synthesiser und wirrem Arrangement das Electronica-Stück zum Industrial-Hit. „Fons“ schreitet getreu dem Motto „Der Bass muss ficken“ (© Thorsten Kerl, Monza) mit tiefem Gitarren- und Synthi-Unisono voran. Dazu indigen-anmutendes „Ijaijaja“ und schon geht’s schnurstracks Richtung… ja, wohin eigentlich? 1990er-Prog? Zu geradlinig. Alternative-Metal? Zu synthilastig. Electronica? Zu wechselvoll. Naja, irgendwo dazwischen landen wohl Hörer jeglicher Couleur bei der Schubladenwahl. Dabei lässt sich das Quartett am besten einordnen, wenn eben die wegfällt.

Daywalker im Matrix-Spin-off
Funktioniert auch hervorragend im dritten Track „Mélody“: Der könnte mit seinem monotonen Gesang und „Analogue meets digital“-Arrangement aus Damon Albarns Feder stammen. Bei Männern von Welt braucht’s eben keine Schubladen. „Hannibal“ schreit sich danach gerne halb zu Tode, wenn er nicht gerade im Doubletime-Stechschritt in Richtung „Robin“ marschiert. In diesem mehr oder weniger instrumentalen Ohrentratzer lässt sich die Band bis kurz vor Schluss Zeit, ehe die Stimmung (kurz) umschlägt. „Lou“ schwingt wie poppiger Jazz oder eher jazziger Pop nach, hat aber – natürlich – auch seine düsteren Ausreißer. Falls der Daywalker je in einem Matrix-Spin-off Maschinen pfählt, wird wohl „Harry“ den Soundtrack bilden. Und „Ernest“ schwingt kurz vor Schluss noch die New-Metal-Keule. Am Ende bleibt „Mido“, ein Song, der weder musikalisch noch konzeptionell besonders heraussticht.

Flämisches Musikexperiment
Muss er aber auch nicht. Mit Raketkanon selbst hat die Band schon vor einiger Zeit ein Konzept geschaffen, das wohl immer noch seinesgleichen sucht. Es ist ein Beispiel dafür, dass nun auch in Rock und Metal – ähnlich wie im Hip-Hop – ungewöhnliche Sounds und Besetzung, die nicht von stilprägenden Elementen getrieben sind, massentauglich werden. Der Bass wird zum Beispiel ausgespart, Low-End und Melodien bedient stattdessen der Synthi.

Und auch, wenn nur der Bandname dem Flämischen entlehnt ist und Gesang eher begleitend als anleitend wirkt, so ist „RKTKN#3“ für den Otto-Normal-NEØLYD typisch belgisches Kauderwelsch für: „Grobes wie feingeistiges Musikexperiment, das die Grenzen der Ästhetik in der Populärmusik sprengt.“ Hä? Genau. Besser selber hören, es lohnt sich. Danke.

VÖ: 05. April 2019 via Alcopop! Records
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