Von Tim Brügmann, 18. Oktober 2019

It’s only a mushroom cloud away! Hatte man bereits seit einiger Zeit die Chance, sich mit dem ersten Vorgeschmack auf das neue Refused-Album vertraut zu machen, wird nun mit Single Nummer 3 und den insgesamt zehn Tracks eines unmissverständlich klar: Es geht dahin und die Herrschaften aus Umeå spendieren uns den Soundtrack dafür.

Die schwedische Hardcore-Legende, die einst mit „The Shape of Punk to Come“ mit etwas Verspätung in die Geschichtsbücher einging, nachdem sie einem frühen Schwanensang zum Opfer fiel, ist schon seit einigen Jahren wieder zurück auf der Bühne. Das Comeback „Freedom“ wollte bei einigen Alt-Fans nicht so recht zünden, an ihrer Live-Explosivität hat sich jedoch nichts geändert. Refused um den charismatischen Wirbelwind Dennis Lyxzen haben sich wie auch die einzelnen Musiker weiterentwickelt. Zwar dröhnt es nach wie vor Post-Hardcore’ish aus den Boxen, Gesang und Instrumentierung sind aber wesentlich straighter geworden. Keine Schnörkel, die Message muss raus!

Wie das auf dem nunmehr fünften Refused-Album „War Music“ klingt? Hervorragend! Doch irgendetwas fehlt… War das Über-Album „The Shape of Punk to Come“ tatsächlich eine hochexplosive Zeitbombe, die mit jedem Song neue und im Hardcore-Bereich unerhörte sonische Überraschungen bereithielt (Samples, Synthie-Akzente und sogar Streicher), fallen „Freedom“ und „War Music“ wesentlich geradliniger aus. Refused sind weiterhin Refused, doch ein wenig mehr Wow-Momente hätte „War Music“ durchaus vertragen.

Die Kriegsmusik bleibt jedoch nicht nur bloßes Versprechen, sondern weiß in Sachen Brutalität und Angepisstheit am Ende doch zu überzeugen. Die zehn Tracks sind enorm kurzweilig, die Entladung heftig und Dennis Lyxzen stimmlich wohl nie besser gewesen. Ihr Glaubenssatz ist dabei immer noch derselbe, nieder mit Kapitalismus, nieder mit Patriarchat und her mit der Freiheit! Kunst, Offenheit und Selbstbestimmtheit, für all das kämpfen Refused musikalisch und ihr Frontmann in seinen Zeilen. „War Music“ ist zwar kein Album, das Fans in die größte Euphorie stürzen wird, aber ein wuchtiges Stück Zeitgeist aus der Hüfte einer Band geprügelt, die es geschafft hat, sich einen Funken Relevanz im Nostalgie-Ensemble bewahrt zu haben. Ein Album mit Haltung: blood red until [they’re] fucking dead!

Achja! Wem die zehn Songs zu wenig sind, für den haben Refused neben ihrer Co-Headliner-Tour diesen Herbst zusammen mit Thrice noch etwas in Petto. Die Band erweitert ihr Schlachtfeld nun auch auf digitale Welten und hat für das kommende PC-Spiel „Cyberpunk 2077“ unter dem Namen SAMURAI weitere Tracks aufgenommen, von denen sich die ersten beiden („Chippin in“ & „Never Fade Away“) mehr als hören lassen können.

04.11.2019 Köln – Carlswerk
05.11.2019 Hamburg – Große Freiheit
11.11.2019 München – Tonhalle
12.11.2019 Berlin – Huxleys

VÖ: 18. Oktober 2019 via Spinefarm Records