Reptaliens – Valis
© Eirinn Gragson

Reptaliens Valis

Portland eilt der etwas vage Ruf voraus, eine der coolsten Städte in den USA zu sein; weniger auf sich selbst bedacht als die offensichtlichen Coolness-Benchmarks LA und NY; stärker seiner eigenen, Homegrown-Szene verankert als San Francisco. Musikalisch hat Portland einige zweite-Geige-Coolness Exportschlager, um nur das notorischste Beispiel zu nennen: in Portland liegen die Wurzeln der Dandy Warhols. Und wenn du jetzt den Drang hast, einen Vodafone-Vertrag abzuschließen, dann liegt das an deinem Ohrwurm.

Reptaliens kommen aus Portland. Letzten Freitag erschien ihr neues Album „Valis“, und es ist, geschickt angeteasert, vor allem ein Album das mit monströser Coolness besticht. Ein Indie-Pop Album, getragen von oldschooligen Synthesizern im Verbund mit präzisem Pop-Drumming, begleitet von Sängerin Bambi Cole, immer mal wieder kontrastiert von Gitarren. Darüber gelegt schimmert die artifizielle Patina einer Lo-Fi-Produktion et voilá – man hat wirklich sehr sehr lässige Musik.

Leider zeigt sich recht dann aber recht schnell, dass abgebrühtester unterkühlter Minimalismus immer so ein bisschen am Schleifpunkt hängt. „Valis“ ist fragil, stetig knapp an der Grenze zur Blutarmut, manches Mal drüber hinaus. Ein paar Songs sind nicht genug gesättigt, um die Stimmung des Albums komplett mitzutragen. Oder vulgo: ein guter Teil des Albums ist intensiv und lässig, ein anderer Teil ist halt eher langweilig.

Aber es ist ja auch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ein wahrhafter Connaisseur des deutschen Knüppelpunks hatte wohl auch an Wizos 2014er Album „Punk gibt’s nicht umsonst! (Teil III)“ helle Freude, wo der Rest der Menschheit, Rezensent eingeschlossen, bis zu diesem Moment keine Ahnung von der Existenz hatte. Und wem abgebrühter Lo-Fi Synthie-Indie gefällt, der wird auch an „Valis“ seine Freude haben. Es ist ein Album für Sonnenbrille auf, in die Sonne setzen und glamourösem Müßiggang fröhnen. Und da muss man nicht wählerisch sein; die uninteressanteren Stellen des Albums kann man ja gut und gerne wegdösen.

VÖ: 26. April 2019 via Captured Tracks
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