Von David Maneke, 26. Februar 2020

Eighties revival at its fullest. Punks not dead, it just sounds different. Die ersten Eindrücke von Riki taugen hervorragend zur Häufung von plakativen Floskeln. In irgendeinem ranzigen Keller in LA scheint die Zeit in den frühen Achtzigern stehen geblieben zu sein. Dort jedenfalls, wo das Projekt Riki seine Musik schreibt, herrscht noch das strenge Regime von knallharten Beats und dreamy Melodien.

Riki reproduzieren die Achtziger, beschränken sich dabei aber auf die Kopie der eklatantesten Klischees. Denn die Musik von Riki ist recht schnell erläutert: Drummachines und Synthies, mal begleitet von englischem, mal von deutschem (!) Gesang knapp an Sprachlevel B2 vorbei. Wer Riki hört, muss instinktiv husten, weil man die Schwaden der Rauchmaschine förmlich auf den Kapillaren spürt. Aber gleichzeitig hört sich das alles nach einer Zeit an, in der sich das Lebensgefühl vor allem im Strobolicht klassischer Diskotheken mit Schwarzlichtdeko, und Schnauzbärten konstituiert hat; nach schmuckloser Vintage Tristesse. Riki sind das musikalische Äquivalent zu Kung Fury.

Nun ist aber die nächstliegende Frage jene danach, was denn eigentlich hinter dieser allzu plakativen Anordnung von zitierten Klischees steckt und da bleibt es dann erstmal diffus. Das Mastermind hinter Riki, Niff Nawor, betätigt sich eigener Aussage nach als audiovisuelle Künstlerin und hat eine Vergangenheit in der Punkband Crimson Scarlet. Das steckt die wesentlichen ästhetischen Eckpunkte von Riki schon mal ein wenig ab; alles wirkt wie eine ganzheitliche Produktion eines Lebensgefühls, das gleichzeitig retro, kontemporär, unfassbar subtil und gleichzeitig doch entsprechend plakativ daher kommen will. Aus dem Punk die distinguierte Attitüde, aus der Kunst die Umarbeitung in alternative Ästhetiken. Aus dieser Mischung soll wohl ein konspiratives Moment gezogen werden; damit spielen Riki, relativ tritt- und stilsicher, aber Hands Down: das hat man in der Form vor nicht allzu langer Zeit alles schon mal gesehen und dann evoziert das auch eine gewisse konzeptuelle Langeweile. Was der Sache fehlt ist eine substanzielle Subversion – denn die irritierenden Momente spielen sich vor allem in dem ab, was Riki eben nicht machen; zwischen all der Plakativität fehlen die brechenden Zwischentöne. Und Subversion wirkt besser, wenn sie einen Ankerpunkt bietet; irgendein Detail das sie greifbar werden lässt.

Aber das berührt die Musik ja erstmal nicht unmittelbar, und da kann Riki trotz der Vorhersehbarkeit Spaß machen. Die erste Single „Napoleon“ zum Beispiel lebt von Synthie-Melodien, die an die Enola Gay Zeiten von OMD erinnern – und das funktioniert nach wie vor. Der Song entwickelt über die sehr souveräne Inszenierung eine erkleckliche Intensität, nimmt den geneigten Hörer auch mal mit – insbesondere in das heutige Abbild einer imaginierten Vergangenheit. Da tut es auch nichts zur Sache wenn im Pass Geburtsjahr 1988 steht, mit etwas offenen musikalischem Herzen kann man die ewige Sehnsucht des kontemporären Vintagers nach romantisch verklärter Tristesse der ungesehenen, dessen ungeachtet aber besseren, Zeiten zumindest für dreieinhalb Minuten befriedigt sehen. Dazu muss man zwar nicht auf Riki gewartet haben, aber man darf die Feste auch einfach mal feiern wie sie fallen.

VÖ: 14. Februar 2020 via Dais Records