Von Oliver Schröder, 29. Mai 2020

Alles ist für die Ewigkeit: Robot Koch blickt nicht mehr nur in die Sterne, sondern in eine ferne Zukunft und kreiert eine grandiose musikalische Vision, die die Gegenwart durch ihre unfassbar weitsichtige Perspektive beruhigend unwichtig erscheinen lässt. Gleichzeitig aber wird deutlich, wie erschreckend stark sich unseren heutigen Entscheidungen auf dieses ferne Szenario auswirken können. All das nachzuvollziehen zu können – nicht mit komplizierten Theorien und Debatten – sondern im Fluss der Musik, ist geradezu ein Wunder, das das Universum beim Zuhören in seiner Gesamtheit erfahrbar scheinen lässt.

Der Gedanke, eine Milliarde Jahre in die Zukunft zu blicken, erscheint zunächst absurd zu sein. Niemand kann voraussehen, was dann sein wird. Vermutlich gar nichts mehr, wenn die Menschheit so weiter macht. Aber es geht hier mal nicht ausschließlich um uns. Inspiriert durch einen Vortrags des Unterwasserforschers Jacques Cousteau, erforscht Robot Koch mit seiner Musik die Idee eines kosmischen Bewusstseins. Zusammen mit dem estnischen Dirigenten Kristjan Järvi führt er seinen 2018 mit „Sphere“ eingeschlagenen Weg fort und verbindet elektronische Klänge mit Filmscore-Elementen, die unmittelbar Bilder im Kopf des Hörers entstehen lassen. Weniger enigmatisch ausgedrückt: „The Next Billion Years“ lässt sich hören wie ein Soundtrack, nur das hier das Universum die Hauptrolle spielt.

VÖ: 29. Mai 2020 via Modern Recordings