Von Lennard Göttner, 08. Juni 2020

Das Melbourner Quintett Rolling Blackouts Coastal Fever beobachtete die Welt in den vergangenen Jahren vor allem durch Fensterblöcke von Tourbussen und Flugzeugen. Ihrem hochgefeierten Debütalbum folgend melden sich die Australier nun mit dem zweiten Longplayer zurück. „Sideways To New Italy“ heißt das Werk und bietet der Band eine Plattform und Chance, den bunten, hemmungslosen und abenteuerlichen Erlebnissen der letzten Jahre Halt zu geben. Quasi eine gesellschaftliche Re-Emanzipation. Sänger und Frontmann Tom Russo äußerte sich bezüglich des Tourlebens wie folgt:

It’s fun but you get to a point where you’re like, Who am I anymore? You feel like you’re everywhere and nowhere at the same time. And no one in particular. We saw a lot of the world, which was such a privilege, but it was kind of like looking through the window at other people’s lives, and then also reflecting on our own.

Der Titel des Albums bezieht sich auf ein Dorf im Nordosten New South Wales, in dem der Drummer der Band – Marcel Tussie – großgeworden ist. Vor mehr als 120 Jahren von venezianischen Einwanderern gegründet, repräsentiert das Dorf auch heute noch den Einfluss Italiens auf das Land. Frontmann Russo sah in New Italy während der isolierten und orientierungslosen Zeit der Tourneen stets eine Verbindung zu den eigenen Gefühlseindrücken und Versuchen, eine Verbindung zur Heimat aufrechterhalten und so viel Vertrautheit zu schaffen, wie es auch knapp 15.000 Kilometer in Deutschland und gefühlte 20 Grad weniger eben möglich ist.

In musikalischer Hinsicht knüpft „Sideways To New Italy“ fast nahtlos an das Vorwerk an. Rasanter Indie-Rock, der zum Tanz einlädt und vor guter Laune nur so strahlt. Treibende Beats, harmonische Gitarren-Akkorde und /-Melodien und Russos unbeschwerte Stimme schenken Sonne, Lebenslust und Beschwingtheit.

Das Album gibt einen Einblick in Rolling Blackouts Coastal Fevers detailliertes und faszinierendes Songwriting. „Sideways To New Italy“ trotzt den extrem hohen Erwartungen und Ansprüchen, die vor Erscheinen aufkamen und setzt einen wegweisenden Einschnitt für den Indie-Rock.

VÖ: 05. Juni 2020 via Sub Pop Records