Von Oliver Schröder, 17. Juli 2019

Knarzen, schneiden, legen: Klänge, die bei anderen Musikern in der Regel als (unerwünschte) Nebenprodukte anfallen, werden Moritz Illner und Markus Christ zu Hauptdarstellern. Das Ergebnis ist natürlich frickelig vertrackt, aber auf eine sehr direkte Art auch mit dem Bauch fühlbar.

Ein ganz besonderes Feature ist freilich Illners Plattenschneiderei, mit der er dem ganzen Projekt nicht nur seinen Namen gibt, sondern auch vor allem live für einen spektakulären Twist sorgt. Er schneidet seinen Partner während der Performance mit und speist ihn als Sample von Vinyl wieder in den Song ein. Im Gegensatz zu den Grandbrothers aus Düsseldorf, die im Ansatz ein ähnliches, aber nerdigeres Konzept verfolgen, wirken Schnitt dabei eher wie musizierende Handwerker auf sehr hohem Niveau, die sich in die Geräuschkulisse ihrer Arbeit verliebt und diese dann zu Stücken verarbeitet haben.

Bei “Unwucht“ sieht man die beiden fast schon mit Blaumännern auf der Bühne stehen, was der Musik einen guten Teil ihrer Verkopftheit nimmt. Man hat eher das Gefühl, dass gerade etwas in der Entstehung ist. Ein Produkt aus Klängen, das man sich irgendwo ins Hinterstübchen stellen und bei Gelegenheit herausholen und bewundern kann. Dem Industrial-Jazzstück „Konstrukt“ hört man den Work-in-Progress-Status vielleicht am deutlichsten an. Blechblasinstrumente werden immer wieder durch tieftönendes Grummeln unterbrochen und scheinen im Laufe des Stückes in ihre Einzelteile zu zerfallen – nicht ohne weiterhin eingebunden zu werden – bis sie schließlich ein letztes Mal klagend in sich zusammenfallen. Überraschend dann am Ende die smoothe Lässigkeit von „Saum“, das man im Gegensatz zu den anderen Stücken auch auflegen kann, wenn man Gäste zum Essen da hat.

VÖ: 05. Juli 2019 via Alien Transistor