Von Tim Brügmann, 13. November 2020

Swans & Der Club Of Gore. Doch halt, bei Sometimes With Others handelt es sich keineswegs um eine neue Supergroup. Vielmehr funkelt hier das noch derzeit bestgehütete Geheimnis nebliger Berliner Nächte am Boden des letzten Longdrinks. Ein klein wenig Star-Ensemble hat sich bei dieser neuen Formierung am Ende aber doch eingeschlichen, wenn wir hinter der nachtschweren Stimme von Mika Bajinski alte Bekannte wie Kristof Hahn (Swans/Pere Ubu) am Lap Steel und Larry Mullins (Nick Cave and the Bad Seeds) an den Perkussion entdecken. „Nous“, so der Titel ihrer ersten LP auf dem neu gegründeten Art-Vinyl-Label Grand Chess, die am 13. November aus dem Dunkeln treten wird.

In gerade einmal einer Viertelstunde hüllen uns Sometimes With Others auf „NOUS“ in eine bittersüße Geisterstunde, die ihresgleichen sucht. Wenn Marie-Claire Schlameus bedacht das Cello streichelt und Yoyo Röhm den Kontrabass umgarnt, liefern die beiden den perfekten Rahmen, schlagen das Kissen auf, auf dem sich die sehnsüchtig rauchige Stimme von Mika Bajinski betten kann. Zu ihr legt sich der geneigte Hörer mehr als gern, wenn er zusammen mit Sometimes With Others den wahren Untergrund Berlins erkundet.

Was einen zunächst noch an die Mühlheimer von Bohren erinnert, stellt sich schnell als wesentlich komplexerer Nachtmahr dar, der da auf der Bettkante kauert. Auf „Nous“ wird das lange Herauszögern des Sonnenaufgangs zelebriert, da werden Tränen hinter dem Whiskey-Glas getrocknet, da gehen Femme Fatale und der zynische Noir-Detektiv ihren unheilvollen Pakt ein. Dabei kommt diesem morbid-schönen Tango nicht zuletzt auch die Erfahrenheit seiner Taktgeber zugute, die das Projekt Sometimes With Others wohl zu einer der spannendsten Veröffentlichungen aus der Hauptstadt dieser Tage machen.

Jazz, Noir, Avantgrade. Was ist das schon, wenn nicht alles ein bestimmtes Gefühl aus dem Dunkel? „Sometimes With Others“ wurde im Candy Bomber Studio Berlin live aufgenommen und “Babylon Berlin” wäre folglich auch kein ganz verkehrter Titel gewesen für dieses Projekt der Extravaganz. Wir nehmen dann nochmal einen, bitte!

VÖ: 13. November 2020 via Grand Chess