Von Esther Sambale, 18. Mai 2020

Die Welt von gestern leuchtet noch warm, wenn Markus Acher sanft flüsternd „Yesteryears“, das erste Lied der neuen Spirit Fest-Platte „Mirage Mirage“, einzählt und gemeinsam mit Saya Ueno Vergangenes besingt. Aufgenommen in präcoronaren Tagen, entstand das inzwischen dritte Album zwischen 2018 und 2019 in den Wohnzimmer- und Heimstudios in München und Tokio. Trotz räumlicher Distanz haben Markus Acher (The Notwist), Saya und Takashi Ueno (Tenniscoats), Mat Fowler (Jam Money/Bons) und Cico Beck (Joasinho/The Notwist) sehr nahbare Musik geschaffen. Zu hören sind vierzehn poetische Avant-Pop-Klangcollagen, die zugleich leicht und schwer klingen und – vielleicht – von Liebe, Freundschaft, Nähe und all den Sehnsüchten dazwischen erzählen. So ganz genau lässt sich das nicht sagen, es sei denn man versteht Japanisch.

Immer wieder rauscht, klingelt, klimpert, trötet, plingt, plongt und gongt es auf diesem Album. Die eingestreuten Field Recordings – wie etwa in „Fish With Arms“, verleihen „Mirage Mirage“ eine sympathisch frickelnde Atmosphäre. Während in „Zenbu Honto (Every thing is everything)“ Achers und Uenos Stimmen gemeinsam zu Gitarrenklängen spazieren, kommt in „Mirage“ ein deutlicher The Notwist-Moment auf. Klang und Textstücke wie „We left the city / We left these houses / We walked as far as we could go / To not be back“, erinnern an Come In („You were there when we left town / On every single street we’re not alone”) oder One Step Inside Doesn’t Mean You Understand („Prepare your shoes / Not to come back soon”).

Pastellige Tenniscoats-Töne tänzeln in „Circle Love” umher, wenn Acher und Ueno zauberhaft über Liebe sinnieren: „Is this Love? / Love is this / Can we hear the beating heart? / Maybe not / Not maybe / Take the dare of circle love.” Ein Stück, in das man sich in Echtzeit verlieben kann, auch weil Uenos Bababa-Gesang an das ewig tolle Tenniscoats-Lied „Baibaba Bimba“ erinnert (vielleicht eines der entzückendsten Musikvideos, das auf YouTube zu finden ist.)

Doch: Alles ist vergänglich und irgendwann vorbei. Spirit Fest beenden „Mirage Mirage“ mit dem „Saigo Song“. Ein fast achtminütiger Abschied in dem Saya Ueno und Markus Acher nacheinander auf Japanisch und Englisch singen. Schließlich überlagern sich viele Stimmen zu einem angenehmen Klangwirrwarr. „Sayonara. Arigato. Everything ends.“ Zum Glück lässt sich „Mirage Mirage“ auf Repeat stellen. Ganz im Gegensatz zum Leben.

VÖ: 15. Mai 2020 via Morr Music