Von Stefan Killer, 04. Mai 2020

Peter Harrison hat mit der Tradition des Powertrios gebrochen und seine Band zu einem Quartett umfunktioniert. Das neue Mitglied ist aber mehr als ein rein musikalischer Zusatz. Was das für die Dynamik von SPQR bedeutet, zeigt sich nicht zuletzt auf „No Brain, No Pain“.

Ob zusätzliche Gitarre oder Synth, das Mehr an Instrumenten macht die neue EP von SPQR zu einer Art Sammelband musikalischer Einflüsse. Die Band wirkt darauf weniger restriktiv, traut sich sogar ins Terrain hymnischer Mitsingrefrains, wie der gelungene Opener „Nuthin Gud“ beweist. Gerade noch im Artrock der 1970er-Jahre gefangen, schon ertappt sich die Meute, wie sie hörig und „Nothing good lives here“ singend im Kollektiv dem Nihilismus frönt. Der Titel fungiert übrigens über „No Brain, No Pain“ hinaus als Name des neuen bandeigenen Labels.

Peter Harrison ist weder im Studio noch draußen ein Freund von Menschenansammlungen. Nicht zuletzt deshalb hat er wohl „Nuthin Gud Records“ ins Leben gerufen. Das Label sowie Neuzugang Connor Dickson ermöglichen ihm nun die künstlerische Freiheit, die er wohl während der Produktion von „The House That Doubt Built“ und „Low Sun Long Shadows“ zuvor nicht spürte.

Monotonie trifft auf Polyphonie

Diese Freiheit äußert sich mal in den eingängigen Cembalo- oder Synth-Passagen, mal in den penetrierend monotonen Staccato-Noten in „Just Sumfin“, ehe ein sphärischer, unsauber gesungener Chor den Bruch bringt. Der Titeltrack hat was von den experimentierfreudigen Gehversuchen des Alternative Rock der frühen Neunzigerjahre: Bei stampfendem Bass und recht cleanen Gitarren kommt dystopisches Postpunk-Inselfeeling auf.

„Loves Summer“ ist ein Closer zum Abhängen und orientiert sich an den Spielarten Robby Kriegers beispielsweise in den 1960er-Jahren. Im Vergleich zu den Veröffentlichungen zuvor büßt SPQR an Außenseitertum ein, gleichzeitig gewinnt die Band aber an Finesse und Professionalität – und das trotz der teils außergewöhnlichen Produktionsumstände mit neuem Mitglied und Corona im Studionacken. „No Brain, No Pain“ ist die poetische DIY-Antwort auf die fortschreitende Einfalt britischer Großstadtmusik.

VÖ: 30. April 2020 via Nuthin Gud Records