Von Lennard Göttner, 05. März 2020

The Gloomies werden ihrem Namen schon seit Jahren nicht gerecht, denn ihr Schaffen ist alles andere als düster, alles andere als bedrückend – im Gegenteil. Die Kalifornier stehen für Heiterkeit, Lebenslust und der einen Sache, die nahezu alle Westküstler verbindet: Surf & Sun.

Andie Craig, Gründer der Band, startete das musikalische Abenteuer 2015, in einer „sun-bleached-surf-town“ im Süden Kaliforniens. Mit dem Track „LSD“ katapultierte sich Craig in die Szene der Surfmusik, die er seitdem unter anderem mit dem Debütalbum „Romance“, welches 2018 erschien, aufmischt. Die Gloomies selbst nennen bezüglich ihres Schaffens Einflüsse von Künstlern wie Lana Del Rey, Unknown Mortal Orchestra oder etwa Ariel Pink. Als Auskopplung des neuen Albums „Are We Getting Better?“ erschienen im Vorhinein die Singles „Moonlight“, „Sick Like You“, „Nightlight“ und „Sideways“. Gegenüber letzterer äußerte sich Craig gegenüber dem Atwood Magazine wie folgt:

Sideways came from the thought of being lost in space. I guess I was really drawn to that imagery because for me it represents how it feels to be lost in your own life.

Und der Gedanke einer Orientierungslosigkeit trifft den Ton von „Are We Getting Better?“ ziemlich passend. So lassen sich innerhalb der insgesamt dreizehn Songs sogenannte „voice-memos“ wiederfinden, auf denen Craig sehr ruhig und atmosphärisch performt. Diese Einspieler lassen sich wahrscheinlich am besten mit Skits aus dem Hip-Hop vergleichen und wirken sehr verzerrt und verschwommen.

Und trotz all dieser wirren und verschwommenen Momente schlagen die Gloomies stets die Brücke zu einem erfrischenden und belebenden Sound. Hervorzuheben sind hier beispielsweise die Tracks „Mess We Made“ oder „Sideways“. Doch es gibt sie eben, die düsteren und kälteren Momente der Platte. Momente, die nicht gerade sonnig sind, sondern sehr ehrlich und teilweise sehr bedrückend. The Gloomies verstecken sich nicht hinter einer Wand aus Sonnenblumen und guter Laune. Warum auch? Sie lassen triste Momente und Erfahrungen zu, weil es das Normalste von der Welt ist. Denn überall wo Sonne ist, gibt es auch einen Schatten.

Ob „Are We Getting Better?“ besser ist, als die vorherigen Werke der Kalifornier? Darüber möchte ich nicht urteilen. Denn Kunst ist stets subjektiv. Doch was eindeutig gesagt werden kann und soll: Der zweite Longplayer der Gloomies ist atmosphärisch, originell und authentisch. Trotz der beiden Pole aus „düster“ und „erfrischend“ verteilen die dreizehn Songs insgesamt eine Dynamik, die enorm viel Spaß bereitet und dem Titel Kunst voll und ganz gerecht wird.

VÖ: 06. März 2020 via Gloomtones