Von Lennard Göttner, 06. Mai 2020

Wie weit lassen sich eigene Ideen und der Einfluss musikalischer Vorbilder und Vorgänger miteinander vereinen? Wie viel bereits bekannt wirkender Sound nehmen Bands und Musiker in ihr eigenes Schaffen herein? Der Grat zwischen bekannten Einflüssen und eigener Originalität ist oftmals ein ziemlich schmaler, wenngleich er ebenfalls ein riesiges Sprungbrett für Künstler sein kann. Lynyrd Skynyrd taten es mit Warren Zevons „Werewolves of London“, Radiohead orientierte sich bei Karma Police bezüglich der Akkordfolge in gewisser Weise bei „Sexy Sadie“ von den Beatles und das wohl bekannteste Beispiel in dieser Hinsicht: „Bitter Sweet Symphony“ von The Verve und „The Last Time“ der Rolling Stones.

Mit „One Eye Opener“ veröffentlichte die dänische Indie-Rock Band The Great Dictators, angelehnt an Charlie Chaplins Satire-Meisterwerk, ihr bereits viertes Album und löst sich von den schweren Ketten ihrer drei Vorwerke, die sich nie wirklich aus dem harmlosen Indie-Rock befreien konnten und eben nicht ansatzweise das geschafft haben, was die oben genannten Beispiele taten: ein bekannter Sound, gepaart mit eigener Originalität. Das Kopenhagener Trio zeigt sich auf ihrem neuesten Longplayer nun allerdings von einer eher ungewohnteren Seite und vereinen den Indie-Rock der vorherigen Alben mit elektronischen Sounds. Und während The Great Dictators in ihren drei vorherigen Werken leider irgendwo zwischen okay und egal performten, gehen sie auf der neuesten Platte zumindest einen kleinen Schritt vorwärts und beweisen originelle Sounds. Zusätzlich zum Album veröffentlichte das Trio ein Lyric-Video des Songs „Riot on a Diet“, dessen Inhalt an das Albumcover des selbstbetitelten 90er Meisterwerks der The La’s erinnert. Der Sound und vor allem die Vocals lassen teilweise starke Erinnerungen an Franz Ferdinand aufleben. Die Band selbst nennt für „One Eye Opener“ Einflüsse von Bands wie Kraftwerk, New Order oder etwa Leonard Cohen.

Inhaltlich befasst sich das Album vor allem mit den schweren Depressionen von Lead-Sänger und Songwriter der Band Dragut Lugalzagosi. Titel von Songs wie „Creep for Life“, „Killing Fields“ oder „Existensial Needs“ sprechen für sich. Der Longplayer ist einnehmend und lässt man sich erstmal voll und ganz drauf ein, kann man durchaus in der düsteren Welt von „One Eye Opener“ versinken.

VÖ: 17. April 2020 via Celebration Records