Von Stefan Killer, 11. November 2020

Kaum zu glauben, dass schon sechs Jahre vergangen sind, da ein Paar Blues-Zottelköpfe aus Nordrhein-Westfalen das Keep-it-low-Festival (KIL) in München retteten – zumindest den damaligen Samstagnachmittag. Den Soundtrack dazu liefern sie 2020, in Form der Vinyl-Erstauflage ihrer ersten beiden CDs. Die Rede ist von The Picturebooks.

Zurück zur Geschichte: Die Band, die für einen der frühen Slots damals eingeplant war, hatte wohl kurzfristig abgesagt. Da wurden wie durch Zauberhand zwei junge Männer mit dunkelhaarigen Bärten und Matten aus dem Ärmel und auf die Bühne geschüttelt. Kurze Zeit, nachdem diese die ersten betörenden Noise-Krawalle einer Akustikgitarre, Trommeln und Plüschsticks entlockten, ist das noch spärlich gesäte Publikum schnell gewachsen, trotz breiter Unkenntnis über die Band. Was da los war? The Picturebooks, das lärmende Americana-Blues-Duo, das klingt, als stamme es eher aus Santa Cruz denn Gütersloh war los. Zum Glück hat es mit „The Early Years“ den charakteristischen Klang von damals, genauer der Jahre vor der KIL-Heldentat, neu aufgelegt.

Fans der ersten Stunde dürften schon darauf gewartet haben: Endlich sind die Alben „List of People to Kill“ und „Artificial Tears“ stilecht gepresst. Letzteres ist dieses Jahr zehn Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Jubiläums und der 25 Jahre Label-Geschichte von Noisolution – Klappentext: „Music for Minorities“ – gibt es vier Bonustracks obendrauf. Außerdem ist einer davon kürzlich als archiviertes Musikvideo in YouTube aufgetaucht. Surprise, surprise. Zum Dreh war die (noch) dreiköpfige Band unterwegs durch die Vereinigten Staaten und ließ einen postmodernen Coming-of-Age-Western als Performance-Format schnipseln. Vom Indiepop, den die Jungs zuvor gemacht hatten, war schon zu dem Zeitpunkt nichts mehr zu hören.

Heute füllen The Picturebooks Säle in Europa und den USA, die Songs sind ausgefeilter und eingängiger denn je, manchmal leider beliebig. Wer aber den groben Geist des Keep it low von 2014 und aus den Jahren zuvor noch mal einatmen will, greift ab 4. Dezember zu „The Early Days“.

VÖ: 04. Dezember 2020 via Noisolution