The Prodigy – No Tourists
© Andy Cotterill

The Prodigy No Tourists

„No Tourists“ titelt das nunmehr siebte Album der Elektro-Punk-Ikonen von The Prodigy. Und tatsächlich machen sie eines unmissverständlich klar: sie kennen sich bestens aus, in dem was sie tun. Sorgten die Vorabveröffentlichungen „Need Some1“ und „Light Up The Sky“ bei einigen Fans schon für ein wohliges, an alte „Jilted Generation“ Zeiten erinnerndes Grinsen, darf sich auch bei den weiteren acht Tracks genüsslich zurückgelehnt oder eben komplett durchgedreht werden.

Liam Howlett, Keith Flint und Maxim Reality sind spätestens seit 2007 und ihrem Überraschungs-Hit „Invaders Must Die“ längst kein Revival aus den frühen 90ern mehr. Mit nach vorne preschenden Synth-Lines, Drum & Bass Elementen und einer energetischen Bühnenpräsenz vorranging durch Flint und Maxim getragen, sind sie seit einer Dekade die absolute Festivalinstitution – stets auf Anschlag, stets schweißtreibend und überraschend frisch mit jedem Release. Dass auf ihrer letzten Drehscheibe „The Day Is My Enemy“ ein bisschen die Puste ausging, ist angesichts der Rastlosigkeit von The Prodigy also durchaus zu verschmerzen. Drei Jahre später zieht jetzt nun „No Tourists“ die nächste Nummer und reiht sich ein, um die gemeinen Synapsen erneut zum Schmelzen zu bringen.

Wer ein neues „The Fat Of The Land“ erwartet, wird mit den Touristen wieder einmal enttäuscht werden. „Breathe“ und „Firestarter“ sind zwar nach wie vor zeitlos, aber nicht mehr das, wofür The Prodigy stehen. Auf Album Nummer sieben zeigt sich die Band jedoch um einiges präziser, direkter aber nicht minder Großbühnen-tauglich als zuvor. Zwar ist die Kollaboration mit den Tribal-Acid-Anarchisten von Ho99o9 etwas handzahm ausgefallen, Songs wie „Champions of London“ und „Boom Boom Tap“ wissen jedoch mit ihrem nostalgischen Charme zu begeistern. Einen Schritt zurück und zwei nach vorn, wagen Howlett und seine beiden Vortänzer auch mit dem Titeltrack, der nicht minder mit Pauken und Fanfaren über den Dancefloor faustet. Mit 30 Jahren Bandgeschichte für eine der kulturell bedeutendsten Bands nach wie vor ein ziemlicher Triumph, der das Erbe von The Prodigy gekonnt mit neuen Einflüssen in den Mixer taucht, was besonders eindrucksvoll auf dem Closer „Give me a Signal“ zu hören ist.

The boys are back in town und mitgebracht hat das Wunderkind aus Essex sein stärkstes Album seit langem. Der freche Fuchs aus „The Day is my Enemy“ ist Geschichte, nun rollt der Doppeldecker ohne Touristen durch die Straßen und lässt sämtliche Neider in seinem Fernlicht erstarren. Wem der neueste Shit aus Howletts Moog-Arsenal taugt, der freut sich diesen Herbst auf ausgesuchte Arena-Show von The Prodigy:

27.11.2018 Berlin – Max-Schmeling-Halle
28.11.2018 München – Zenith
04.12.2018 Frankfurt – Festhalle
05.12.2018 Düsseldorf – Mitsubishi Electric Hall

VÖ: 02. November 2018 via BMG / ADA
Web Analytics